Interview

Nur klar strukturierte Bewerbungen haben wirklich die Chance, gelesen zu werden

03.08.2019

Sabine Schweitzer, Foto: (c)Philipp Ottendörfer

Sabine Schweitzer, Foto: (c)Philipp Ottendörfer

"Einfach nur Oper zu mögen und eine schöne Stimme zu haben, reicht mir nicht." Operndirektorin Sabine Schweitzer gab uns Auskunft über den Umgang mit Sänger-Initiativbewerbungen am Theater Bielefeld.

Welche Einstiegsgage zahlen Sie Berufsanfänger*innen?
Die tarifliche Mindestgage.

Wie besetzen Sie Ihre künstlerischen Solo-Vakanzen?
Wir nehmen an Agentur- und Hochschul-Vorsingen teil. Auch an die ZAV wenden wir uns durchaus. Auf Initiativbewerbungen greifen wir hingegen äußerst selten zurück. Und Kolleg*innen fragen wir eher gezielt nach ihren Erfahrungen mit einem*r bestimmten Sänger*in. Aber natürlich tauschen sich befreundete Häuser über ihre Erfahrungen aus. Onlineausschreibungen für unsere Vakanzen machen wir nie.

An wen sollten Bewerbungen gerichtet werden?
Der neue Ansprechpartner ab dem 26.08.2019 ist der Künstlerische Betriebsdirektor Dr. Christof Wahlefeld, christof.wahlefeld@bielefeld.de
Sinn machen sie eigentlich nur, wenn sich jemand auf den aktuellen Spielplan bezieht.

Wichtig: Nur klar strukturierte Bewerbungen mit den Kern- und aktuellen Informationen haben wirklich die Chance, gelesen zu werden. Wenn ich erst suchen muss, wer sich da für was bewirbt, wandert das schnell in den Papierkorb.
Bei Fotos: bitte nur EIN aktuelles und möglichst natürliches.

Gibt es generelle Ausschlusskriterien für eine Einladung zum Vorsingen?
Wer eine rein private Ausbildung hat, sollte sich bei uns nicht bewerben. Wer keine Ausbildung hat, sollte sich bei uns natürlich auch nicht bewerben. Die Bewerber*innen sollten nicht nur Musik, sondern auch MUSIKTHEATER lieben, offen dafür sein und auch als Anfänger erste Kenntnis davon haben, was Theaterarbeit bedeutet. Ich erwarte, dass sich Bewerber*innen regelmäßig Theater ansehen. Möglichst sollten Anfänger*innen auch schon mal am Theater hospitiert haben. Sie brauchen eine Grundausbildung in szenischer Arbeit, Sprachkenntnisse und einen wachen Geist. Einfach nur Oper zu mögen und eine schöne Stimme zu haben, reicht mir nicht.

Worauf kommt es Ihnen im Anschreiben an?
Worum geht es? Fach, Anliegen (Festanstellung, Gastrollen), wie ist die aktuelle Situation.

Was sollte man unterlassen?
Zu viel Honig ums Maul. Nur dann Aussagen zu unserem Theater, wenn sie wirklich ausschlaggebend für die Bewerbung und fundiert sind.

Worauf kommt es Ihnen im Lebenslauf an?
Ehrlichkeit. Klare Struktur, tabellarisch. Ich muss schnell erkennen können, wo jemand gerade steht. Wo ich Referenzen einholen kann oder jemand auch aussagekräftig hören/sehen könnte. Keine Nebensächlichkeiten und missverständlichen Aussagen. Mich interessiert auch, mit wem die Bewerber*innen wirklich intensiv gearbeitet haben.

Was sollte man unterlassen?
Bewusst Missverständnisse zu provozieren. Irreführende Listen zu gesungenen Rollen zu schicken. Jeden kleinen Auftritt/Workshop zu erwähnen. Oder Häuser, an denen man nur mal vor Jahren in einer kleinen Rolle eingesprungen ist.

Worauf kommt es Ihnen bei den Fotos an?
Sie sollten nicht das Postfach sprengen. Am besten ein aktuelles, natürliches Foto. Am liebsten in Alltagskleidung und dezent geschminkt bei den Damen. Keine gestelzten Künstlerfotos.

Was sollte man unterlassen?
Alte Fotos.

Sollten Bewerber*innen auch anrufen?
Nein.

Wann im Jahr ist bei Ihnen der günstigste Bewerbungszeitraum?
Im November, wenn jemand an einem Festengagement interessiert ist. Ansonsten erst ab Januar.

Was sollten die Kandidat*innen für das Vorsingen vorbereiten?
Und möchten Sie Initiativbewerber*innen sonst noch etwas mit auf den Weg geben?

Die Arien sollten die ganze Bandbreite zeigen können. Ein Bass, der nur Szenen nennt, die keine Tiefe zeigen, ist vielleicht keiner?
Sonst: Wenn eine bestimmte Rolle besetzt werden soll: adäquate Vorsing-Arien. Im Zweifelsfall vorher informieren! Und bitte lesbares Material für die Pianisten mitbringen und bei besonders schwierig vom Blatt zu spielenden Werken vorwarnen. Darauf achten, nicht jemanden anzuschreiben, der schon seit Jahren nicht mehr an dem Haus ist. Kein allgemeines: "Sehr geehrte Damen und Herren..." - wenn wir uns die Mühe machen, Initiativbewerbungen zu lesen, sollte der Bewerber sich auch Mühe bei der Recherche machen. Es gibt Internet... Es hilft auch, die aktuelle Ausrichtung eines Hauses anzuschauen. Wenn ich nicht an neuer Musik und Regiearbeit interessiert bin oder mir zu fein bin, auch an Schulprojekten mitzuwirken: nein, danke. Sie brauchen wir nicht.

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