KIBA / Bayerische Staatsoper

"Das Menschliche ist mir sehr wichtig"

15.08.2019

Zuschauerraum mit Königsloge, Foto: Andreas Praefcke CC BY 3.0

Zuschauerraum mit Königsloge, Foto: Andreas Praefcke CC BY 3.0

"Wir brauchen hier Leute, die wirklich brennen für das, was sie machen." Tobias Truniger, musikalischer Leiter des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, verrät Nina Bruns vom Jungen Ensemble-Netzwerk, worauf er bei Bewerbungen von jungen Sänger*innen Wert legt.

Welche Einstiegsgage zahlen Sie Berufsanfänger*innen?
Wir zahlen den Studiomitgliedern die gesetzlich festgelegte Mindestgage.
Dazu kommen zusätzlich bezahlte Vorstellungen auf der großen Bühne in kleinen Rollen, und wir haben auch ein ziemlich großes Konzertangebot und dafür werden sie auch noch bezahlt. Und man darf nicht vergessen, dass wir auch unglaublich viel Unterricht anbieten, weil das ja junge Menschen sind, die sich in den zwei Jahren hier auch noch entwickeln sollen.

Wie gehen Sie mit Initiativbewerbungen um, die auf Ihrem Tisch landen?
Ich schaue Sie mir natürlich erstmal kurz an, aber meistens schreibe ich gleich eine E-Mail, dass sie sich nochmal auf dem offiziellen Weg bewerben sollen.
Auf dem Portal im Internet kann man sich von Ende Juli bis Mitte November anmelden, und dann beginnen wir den Auswahlprozess zu starten:
https://www.staatsoper.de/en/operastudio/application.html
Wenn ich allerdings das Gefühl habe bei einem Lebenslauf: Das ist etwas, was mich interessieren könnte, dann schreibe ich auch manchmal zurück: "Bei nächster Gelegenheit mal vorbeikommen, dann können wir mal ein kleines Coaching machen, ein bisschen zusammen arbeiten." Aber an diesem ganz offiziellen Termin des Vorsingens kommt bei uns ja sowieso niemand vorbei.
Unter dem Gesichtspunkt, dass es ein Opernstudio ist - das heißt für junge Sänger - ist natürlich das Alter für mich wahnsinnig wichtig. Es ist ja insofern auch noch gewissermaßen ein Ausbildungsprogramm. Daher ist es wichtig, dass auch das Alter auf der Bewerbung draufsteht. Ich persönlich möchte gerne ein Foto haben und das Alter und relativ großzügig die einzelnen Stationen, die man schon so hinter sich hat. Alles, was mit der Musik zu tun hat. Wichtig ist ein Link, wo ich mir anhören kann, was die so können.

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Alter also auch ein Ausschlusskriterium?
Es ist definitiv ein Ausschlusskriterium. Die Altersgrenze ist bei uns für Männer und Frauen 30 Jahre.

Gibt es noch andere Ausschlusskriterien für Sie?
Nein.

Gibt es Dinge, die Sie sich wünschen bei einer Bewerbung?
Was ich mir wünsche ist, dass der Mensch, der sich bewirbt, sympathisch rüberkommt.
Die Bewerbungsart sagt viel über jemanden aus.
Das Menschliche ist mir sehr wichtig.

Und gibt es Dinge, die Sie sich im Bewerbungsprozess NICHT wünschen?
Dinge, die den Ablauf des Prozesses behindern, z.B. Links, die man nicht öffnen kann, fehlende Angaben, fehlende Daten - sowas nervt schon ein bisschen.
Oder wenn man jemanden einlädt und der antwortet erstmal eine Woche nicht auf die E-Mail, das ist auch blöd. Zuverlässigkeit und dass der Bewerbungsprozess reibungslos abläuft, das finde ich schon sehr, sehr wichtig. Wir brauchen hier Leute, die wirklich brennen für das, was sie machen.

Antworten Sie auf alle Bewerbungen?
Grundsätzlich antworten wir auf alles, ja.

Und falls doch mal nichts zurückkommt, kann man nochmal nachhaken?
Absolut, das finde ich gut.

Haben Sie noch Anregungen, Anmerkungen o.ä.?
Was nie jemand vergessen sollte, wenn es auf die Bühne geht: Es ist niemand in erster Linie an einem braven, soliden Studenten interessiert. Es geht um die Gesamtpersönlichkeit. Es gibt mittlerweile so viele gut ausgebildete Sänger*innen, dass letzten Endes die Persönlichkeit das Zünglein an der Waage ist. Das hat nichts mit dem Aussehen zu tun, sondern mit dem, was man mitteilen möchte, dem Willen und dem Wunsch, uns sein Innerstes mitzuteilen. Das ist eigentlich das Wichtigste.
Es gibt in unserem Beruf ja auch viele Tiefen zu überwinden, und wenn das Feuer für das künstlerische Sein nicht wirklich intensiv brennt, dann hat man gar nicht die Kraft und Energie, sich da immer wieder durchzukämpfen. Man sollte sich die Frage stellen: „Könnte ich ohne?“ Und wenn man das mit „Ja“ beantwortet, sollte man sich das schon nochmal überlegen.

Nina Bruns

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