KIBA / Theater Pforzheim

Der Funke muss überspringen

15.08.2019

Hannes Hametner, Foto: (c) privat

Hannes Hametner, Foto: (c) privat

"Ich weiß nicht, ob es fürs Theater interessant ist, ob jemand Skifahren kann." Hannes Hametner, Oberspielleiter am Theater Pforzheim, erzählt Anna Paula Muth vom Jungen Ensemble-Netzwerk, worauf es ihm bei Bewerbungen von Schauspieler*innen ankommt.

Welche Einstiegsgage bezahlen Sie Berufsanfänger*innen?
Pforzheim ist eins der geringst geförderten Dreispartenhäuser in Deutschland. Wir können also nicht so viel zahlen, wie wir gerne möchten. Wir zahlen zwischen 2.100 und 2.200 Euro. Mindestgage, sind wir uns einig, machen wir nicht. Dass sich diese aber in einer relativ kurzen Zeit nach oben entwickelt hat, ist sehr zu begrüßen.

Wie kann man auf offene Vakanzen aufmerksam werden? Wie gehen sie mit Initiativbewerbungen um?
Ich arbeite eng mit der ZAV zusammen. Die ZAV kommuniziert die Vakanzen gezielt. Gerne greife ich auch auf Empfehlungen der ZAV zurück, die auch die Absolvent*innen und die Wechsel und Interessen der Schauspieler*innen kennen.
Die vielfältig eingehenden Initiativbewerbungen sammle ich. Im Bedarfsfall lasse ich mich von ihnen inspirieren. Ich kann jedoch aus Zeitgründen nicht auf jede Initiativbewerbung antworten.

Wie sollen die Bewerbungen aussehen?
Per Mail oder Post.
Per Mail wichtig:
Übersichtliche Betitelung der Anhänge (Name), nicht zu große Dateien, am liebsten ein PDF mit Anschreiben, Vita und 4 Fotos (Ein Ganzkörperfoto, 2-3 mit verschiedenen Ausdrücken, keine Rollenfotos, keine Urlaubsfotos.)
Praktisch finde ich die „Sedcards“, da alle Informationen und Fotos übersichtlich arrangiert sind.  Lebenslauf:
Was man auf den ersten Blick sehen muss: Name, Alter, Größe, Ausbildung, Stationen (Theater), wichtige Rollen, wichtige Regisseure. Vorsprechrepertoire gerne mit reinschreiben.
Im Anschreiben:
Kurze Beschreibung des jetzigen Standes und aus welchem Grund man sich bewirbt: Wechsel, neue Herausforderungen, etc. … Kleiner Satz zum Haus: „Ich hab mich mit dem Profil des Hauses beschäftigt, das interessiert mich…“, sodass man merkt, dass Interesse und Kenntnis am Haus besteht.

Kann man auch nochmal nachfragen?
Auf jeden Fall. Von einer freundlichen Nachfrage würde ich nie abraten, weil es immer sein kann, dass bei dem hohen Arbeitspensum etwas verloren geht. Gerne per Mail.
Ich hatte jetzt einen Fall, da hat ein Schauspieler zwei Monate nach der Bewerbung nochmal eine Postkarte mit seinem Foto geschickt und sich dadurch in Erinnerung gebracht.

Haben Sie generelle Ausschlusskriterien (z.B. keine Ausbildung, private Schauspielschulen)?
Ich kenne inzwischen sehr talentierte Schauspieler, die auf einer privaten Schule studiert haben. Bei Absolvent*innen schau ich aber dreimal hin. Da muss mich schon etwas besonders anspringen. Bewerber*innen ohne Ausbildung haben sich noch nicht beworben.
Wenn die Schauspieler*innen schon Berufserfahrung haben, dann ist das für mich kein Kriterium mehr.

Haben sie einen festgelegten Zeitraum, wann sie die Bewerbungen erhalten möchten?
Oktober bis Dezember, aber auch darüber hinaus bis April. Wobei die Wahrscheinlichkeit eingeladen zu werden dann geringer wird.

Wann sind die Vorsprechen?
Februar bis April

Was wünschen Sie sich bzw. wünschen sich nicht, resultierend aus den Erfahrungen, die Sie mit Bewerbungen gemacht haben?
Was ich aussortiere ist: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Das ist mir zu unpersönlich und zuwenig kenntnisreich. Viele Schauspieler*innen legen Wert auf die Rubrik "besondere Fähigkeiten". Ich weiß nicht, ob es fürs Theater interessant ist, ob jemand Skifahren kann.
Dagegen ist es schwer, den Schauspielbewerbungen zu entnehmen, ob jemand über besondere gesangliche Fähigkeiten verfügt. Wir am Haus arbeiten auch spartenübergreifend, und da sind gesangliche Fähigkeiten für eine Bewerbung interessant. Wer weiß, dass er gut singen kann oder über Erfahrungen verfügt: gerne dazu schreiben.
Ich empfehle, gute Fotos zu machen. Es geht nicht um Originalität, sondern um einen persönlichen Ausdruck, um den „Funken“, der überspringen muss.

Haben Sie sonst noch Anregungen an die Bewerber*innen?
Eine Absage nicht so persönlich nehmen. Weitermachen.

Bewerbungen an:
hannes.hametner@stadt-pforzheim.de

Anna Paula Muth

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