KIBA / Schauspiel Krefeld

"Die Theater haben ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Klima"

17.08.2019

Matthias Gehrt, Foto: (c)Matthias Stutte

Matthias Gehrt, Foto: (c)Matthias Stutte

Matthias Gehrt, Schauspieldirektor am Theater Krefeld-Mönchengladbach, sprach mit Anna Paula Muth vom Jungen Ensemble-Netzwerk darüber, worauf man als Schauspieler*in bei einer Bewerbung achten sollte.

Welche Mindestgage bezahlen Sie Berufsanfänger*innen?      
Wie derzeit überall: 2000,- Euro brutto.

Wie gehen Sie mit Initiativbewerbungen um? Antworten Sie auf Bewerbungen? Soll man nachfragen? Wenn ja, wie?
Die Bewerbungen werden gesammelt und in dem Moment, in dem wir konkret suchen, nach Kandidaten*innen durchforstet.
Wir versenden zunächst keine Antworten auf eine Bewerbung.
Bei Print-Bewerbungen antworten wir in der Regel am Ende der Spielzeit schriftlich und schicken die Unterlagen zurück, bei Mail-Bewerbungen nicht. Print- oder Mail-Bewerbungen, das ist von der Sache her egal. Nachfragen sind eigentlich überflüssig. Bei der Suche nach Anfängern*innen nutzen wir vor allem die zentralen Vorsprechen der staatlichen Schauspielschulen, die alljährlich u.a. in Neuss stattfinden.

Formalia: Wie soll die Bewerbung aussehen (Fotos, Anschreiben, welches Format etc.)?
Das Entscheidende, wenn es um Anfänger*innen geht, ist die Ausbildung und dann darüber hinaus die Erfahrungen, die die Kandidaten*innen bisher gemacht haben. Der Lebenslauf ist letztlich entscheidender als die „freundlichen Worte“.
Die Prosa des Anschreibens überfliege ich oft nur, muss ich ehrlichkeitshalber sagen. Und mehrere Fotos, die aber bitte einigermaßen der Realität entsprechen, sind wichtig!

Wann ist der günstigste Bewerbungszeitraum - wann sind die Vorsprechen?
Die Bewerbungswelle kommt in der Regel nach der Sommerpause. Vorsprechen für Anfänger*innen finden dann bei uns nach dem erwähnten zentralen Vorsprechen, das etwa Ende November stattfindet statt. Sie gehen dann oft bis in den März.

Gibt es Ausschlusskriterien?
Ich bin ehrlich: wenn mir nicht jemand einen ganz dringenden Kandidaten*innen-Tipp gibt, lade ich inzwischen keine Absolventen*innen aus Privatschulen mehr ein. Wir haben über die Jahre die Erfahrung gemacht, dass die Ausbildung an staatlichen Schulen unseren Anforderungen besser entspricht. Vom ersten Engagements-Tag an brauchen wir Leute, die wirklich rundum einsetz- und belastbar sind. Die Ausbildung an staatlichen Schulen scheint dafür profunder. Natürlich ist das etwas unfair gegenüber den Privatschulen, aber so ist in der Masse dann doch die Erfahrung. Gleichwohl ist mir klar: es gibt immer wieder Ausnahmen, d.h. tolle Talente auch aus Privatschulen.  

Wie laufen bei Ihnen die Vorsprechen ab? Was ist vorzubereiten? Worauf sollte man achten?
Auf einer Probebühne zeigen die Bewerber*innen ihr Vorsprech-Repertoire und man lernt sich persönlich kennen und versucht zu erkunden, ob man etwas miteinander anfangen kann - dies übrigens unbedingt beiderseitig. Nach der ersten Sichtungsrunde lade ich dann 4-5 Kandidaten*innen ein und arbeite mit jeder/jedem jeweils eine Stunde auf der großen Bühne, übrigens seit Jahren immer mit dem gleichen Text, was für mich sehr spannend ist. Zum Vorsprechrepertoire: Sinnvoll sind 2-3 Monologe und ein Lied. Wichtig aus meiner Sicht ist dabei zumindest ein klassischer Text, um zu sehen, ob und wie die Kandidaten*innen mit komplizierter Sprache umgehen können. Damit meine ich nicht Shakespeare in einer modernen Übersetzung, sondern Goethe, Schiller, Kleist etc. Beim Vorsprechen sollte man möglichst offen, gesprächsbereit und neugierig sein. Eine Engagements-Entscheidung ist ein Risiko für beide Seiten und es gilt zu erkunden, ob man zusammen passt. Alles Ranking hilft auch den Anfängern*innen nichts, wenn man sich anschließend nicht wohlfühlt oder es menschlich nicht stimmt.  

Haben Sie sonst noch Anregungen? Anmerkungen?
Ich erlebe immer wieder, dass es für die Anfänger*innen schwer ist, einzuschätzen, worin sich die Theater unterscheiden, zu denen sie eingeladen werden. Dabei sind die Unterschiede ja erheblich. Sich dazu Rat zu holen von älteren Kollegen*innen oder Dozenten*innen, das wäre sinnvoll. Die Theater haben ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Klima. Zum Beispiel inszenieren in Krefeld-Mönchengladbach viele international arbeitende  Regisseure*innen, es wird also auf den Proben sehr viel  Englisch gesprochen. Das muss man mögen. Auch wird mit den Anfängern*innen in der Theaterlandschaft sehr unterschiedlich umgegangen. Wir haben bei uns das Credo, dass die Anfänger*innen fast immer nur kurz in einer kleineren Rolle das Haus kennen lernen, um dann sehr schnell  in einer Hauptrolle (z.B. Antigone oder  Raskolnikow) ins kalte Wasser geworfen und damit ins Zentrum gestellt zu werden. Die Neuen sind damit manchmal für Momente überfordert, aber alles in allem haben sie bisher ihre Aufgaben immer gemeistert. Auf diese Weise lernen sie am besten schnell ihren Beruf und darüber hinaus das Ensemble kennen (und umgekehrt!) und sind sofort auch in der Öffentlichkeit präsent. Es ist das „Prinzip Feuertaufe“. Andere Theater machen das anders.

Nennen Sie bitte den/die richtige*n Ansprechpartner*in für Initiativbewerbungen, sowie die gewünschte Bewerbungsadresse.
Bewerbungen sollten an die Leitung gehen. Die Bewerbungsadresse findet sich auf der Homepage.

Anna Paula Muth

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