Wochenrückblick #43/19

Es riecht so gut...

26.10.2019

Sandelholzblüte, Foto: Maciej Jaszczolt, Pixabay

Sandelholzblüte, Foto: Maciej Jaszczolt, Pixabay

Was man alles mit der Nase erspüren kann, wonach es gerochen hat in der vergangenen Woche? Nach Europa und politischem Bekenntnis, nach Beständigkeit im statistischen Staub, keinesfalls nach Reue in München - und nach Sandel in Baden-Baden.

Nach Sandel? Ja! Ein Anflug von spätem Sommer, in kleine Flacons gebannt! Wer wissen will, wie sich der exzentrische Dirigent Teodor Currentzis einen September duftend vorstellt, der muss nach Baden-Baden fahren, weiß die Badische Zeitung.

Aber die Woche hatte auch Gewichtigeres zu bieten, als Meldungen über flüchtige Düfte flüchtiger Berühmtheiten. In Reaktion auf die plötzlich ohne Kommissar*in dastehenden Kulturagenden fordern die drei nationalen Musikräte von Deutschland, Österreich und der Schweiz das Europäische Parlament und die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, die Sichtbarkeit von Kultur zu verstärken und sie als Querschnittsaufgabe zu verstehen. Dazu könnte u.a. eine Kulturverträglichkeitsprüfung für die Vorhaben der Kommission beitragen. Damit appellieren die Musikräte an Idee einer europäischen Wertegemeinschaft, die auf der Grundlage der UNESCO Konvention für kulturelle Vielfalt operiert.

Die Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins ist turnusmäßig für die Spielzeit 2017/18 erschienen. Und neben der auch dieses Jahr kommunizierten Tatsache, dass mehr Menschen ins Theater oder Konzert gehen als die Fußballligen Zuschauer*innen haben, kann das geduldige Zahlenmaterial in verschiedenste Richtungen gedreht und gewendet werden. Bemerkenswert jedenfalls, dass die Zahl der sogenannten Zusatzveranstaltungen (worunter auch alle Vermittlungsprogramme subsumiert werden) um beinahe 10% zunahmen. Wer mehr lesen will, findet bei kulturmanagement.net eine Analyse.
 
Da tut sich eine Institution schwer: Zwar hat die Bayerischen Akademie der Schönen Künste inzwischen ein Ausschlussverfahren gegen den letztinstanzlich verurteilte Sexualstraftäter Siegfried Mauser eingeleitet. Nach Äusserungen verschiedener Mitglieder (männlich) aus der Vergangenheit sieht sich Brigitte Fassbender genötigt, vorsorglich ihren Austritt aus der Akademie anzukündigen, sollte die notwendige Zweidrittelmehrheit der Mitgliedsstimmen für einen Ausschluss Mausers nicht zu Stande kommen.

Das Reaktionsmuster ist inzwischen schon leidlich bekannt. Theater und die AfD stehen sich in einer Konfrontation gegenüber. So auch in Nordhausen. Aus dem Haus erklangen Protesttöne gegen eine Veranstaltung mit Björn Höcke, die AfD reagierte mit aggressiven, verzerrenden Pressemitteilungen. Nun hat der Intendant des Theaters Nordhausen, Daniel Klajner, einen Offenen Brief zur Haltung des Theaters veröffentlicht und macht deutlich:

„Das Theater verkörpert Vielfalt, Toleranz und Demokratie, dafür stehen wir tagtäglich ein und wollen davon keinen Deut abweichen“ und „Reden wir alle miteinander ohne den Pfad der befriedenden Rechtsordnung zu verlassen, ohne den gegenseitigen Respekt vermissen zu lassen“.

 
KARRIEREN:
Yuval Weinberg wird mit 29 Jahren Chefdirigent des SWR Vokalensembles und ist dann jüngster künstlerischer Leiter eines ARD Klangkörpers (nötig zu erwähnen: künstlerische Leiterinnen gibt es bei den ARD Klangkörpern nicht). Mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen ausgestattet, hat er zuletzt mit den NOVA Kammerchor (Oslo) und dem Det Norske Solistkor (Norwegen) auf sich aufmerksam gemacht. Mehr beim SWR.
 
Ursula Thinnes, aktuell Dramaturgin am Schauspiel Frankfurt, wechselt zur kommenden Spielzeit als Schauspieldirektorin ans Staatstheater Braunschweig. Intendantin Schlingmann holt sich damit eine langjährige Mitarbeiterin ans Haus: Thinnes war bereits zuvor am Theater Konstanz und am Saarländischen Staatstheater als Dramaturgin für Schlingmann tätig.
 

MENSCHEN
Der Dirigent und Komponist Hans Zender, steht für ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte, seinen Studierenden gab er mit auf den Weg, «dass unser Schicksal heute die Freiheit ist und dass jeder seinen eigenen Weg in stilistischer und technischer Hinsicht finden muss». Nun ist er, 82 jährig, verstorben. Die NZZ gedenkt seiner.
 
Die Schauspielerin Billie Zöckler, in ihrer Rolle als Sekretärin Edda Pfaff in 'Kir Royal' unvergesslich, ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Die Süddeutsche widmet ihr einen warmherzigen Nachruf.
 
Und auch das Leben muss man feiern! Besonders, wenn es einen Geburtstag schon zum 90. Mal zu feiern gibt. Daher: Happy Birthday Mr. George Crumb!

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