KIBA / Staatstheater Darmstadt

"Persönliche Bezugspunkte finde ich spannend"

06.08.2019

Oliver Brunner, Foto: (c)Robert Schittko

Oliver Brunner, Foto: (c)Robert Schittko

Was macht eine gute Schauspielerbewerbung aus - und worauf kann man getrost verzichten? Oliver Brunner, Schauspieldirektor am Staatstheater Darmstadt, im Gespräch mit Ruth Bohsung vom Jungen Ensemble-Netzwerk.

Welche Einstiegsgage zahlen sie Berufsanfänger*innen im Schauspiel?
Wir befinden uns zurzeit noch in Verhandlungen mit unseren Trägern. Der jetzige Stand liegt bei 2.200€ und wir verhandeln für 2.300.

Dann liegen sie also über der Mindestgage…
Ja, genau.

Wie gehen sie mit Initiativbewerbungen um? 
Ich nehme Bewerbungen gerne per Briefpost an, freue mich aber auch über digitale Bewerbungen, am besten an mich persönlich.
Wenn sich was bei mir verhakt – Regisseure, mit denen gearbeitet wurde, ein bestimmtes Alter, welches ich noch nicht im Ensemble habe oder ein Haus, wo ich jemanden kenne – schaue ich mir auch Initiativbewerbungen genauer an. Aber es tut mir immer sehr leid, dass ich mich bei vielen nicht melden kann, weil ich einfach keine Zeit habe.
Wenn wir eine normale Ausschreibung machen, melde ich mich auf jeden Fall, um ggf. zum Vorsprechen einzuladen.

Wie sollen die Inhalte der Bewerbung aussehen?
Bei den Bildern reicht mir nicht nur ein Portrait. Ich hätte gerne einen Körpereindruck, damit ich schauen kann, ob und wie das mit dem bestehenden Ensemble zusammengehen würde. Ein Halb- oder Ganzkörperfoto mitzuschicken ist gut. Die Fotos brauchen natürlich keine Echtfotos sein. Bewerbungen ganz ohne Fotos haben weniger Chancen. Einen Verweis auf eine Homepage beachte ich aus Zeitgründen meistens nicht.
Generell freue ich mich, wenn man einen vielfältigen Eindruck durch die Bewerbung bekommt.
Was ich persönlich wichtig finde: Aufstellen, an welchen Häusern, mit welchen Regisseur*innen man welche Rolle gearbeitet hat. Dementsprechend kann der Lebenslauf gerne genauer und ausführlicher sein. Die Aufzählung von Stücktiteln sagt nichts.

Haben Sie einen festgelegten Zeitraum, wann sie die Bewerbungen erhalten möchten?
Es ist gut, wenn man sich im Oktober bewirbt, weil sich da herausstellt, wer bleibt und wer geht.  Ab Frühjahr mache ich mir erste Gedanken über Besetzungen. Dann sehe ich, was ich in der nächsten Spielzeit noch brauche.
Wenn ich schnell nachbesetzen muss, schaue ich eher regional, in der Rhein-Main-Region. Hier habe ich schon tolle Entdeckungen gemacht.

Wann sind die Vorsprechen?
So ab November. Wenn ich aber z.B. das Familienstück zur Weihnachtszeit zweitbesetze, dann kann sich die Vorsprechzeit bis Sommer ziehen.

Haben Sie im Vorfeld schon Ausschlusskriterien (z.B. keine Ausbildung, Ausbildung an einer privaten Schauspielschule)?
Eigentlich bin ich frei von Ausschlusskriterien. Aber das stimmt, ich gehe nicht auf Bewerbungen von privaten Schulen ein. Wenn, dann reagiere ich bei Privatschulen auf Empfehlungen von Regisseuren.

Was wünschen sie sich nicht mehr, resultierend aus den Erfahrungen, die sie mit Bewerbungen gemacht haben?
Mit Spaßbewerbungen kann ich nichts anfangen. Aufreizende Fotos finde ich auch überflüssig. Sie erhöhen nicht die Bewerbungschancen.
Beim Mitschicken von Rollenfotos bitte darauf achten, dass der natürliche Gesichtsausdruck erkennbar bleibt. Anstatt DVDs lieber eine Verlinkung zu Mitschnitten oder Trailern in die Bewerbung schreiben. Die schaue ich mir gerne an, wenn ich Interesse an der Bewerberin, dem Bewerber habe.

Haben Sie sonst noch Anregungen an die Bewerber*innen?
Was ich nicht gut finde ist, wenn ich falsch angeschrieben werde. Man bewirbt sich bei dem Intendanten oder bei der Schauspieldirektion und nicht bei „sehr geehrte Damen und Herren“. Allgemeine Floskeln wie „Ich finde ihr Haus ganz spannend“ sind eher kontraproduktiv. Wenn ich merke, dass sich jemand wirklich mit dem Spielplan, mit unseren Themen auseinandergesetzt hat, dann finde ich das gut.
Persönliche Bezugspunkte (Abgeschlossenes Studium, Berufslehre, Brüche im Lebenslauf etc.) können gerne genannt werden, das finde ich spannend. Das kann zeigen, dass die Person weitere Kompetenzen aufweist oder andere Herangehensweisen mitbringt.

Bewerbungsadresse: brunner@staatstheater-darmstadt.de

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