KIBA / Stadttheater Solothurn

"Vielseitigkeit ist gefragt"

05.08.2019

Stadttheater Solothurn, Foto: (c)Johannes Iff

Stadttheater Solothurn, Foto: (c)Johannes Iff

Katharina Rupp, Regisseurin und Schauspieldirektorin am TOBS, sprach mit Nina Bruns vom Jungen Ensemble-Netzwerk darüber, worauf es ihr bei Bewerbungen von Schauspieler*innen ankommt und was beim Vorsprechen zu beachten ist.

Welche Einstiegsgage zahlen Sie Berufsanfänger*innen?
Die Mindestgage ist 4000CHF.

Wie gehen Sie mit Initiativbewerbungen um?
Es kommt darauf an, ob wir Vakanzen haben oder nicht. Wenn wir Vakanzen haben, schauen wir, ob der Background von Ausbildung und Erfahrung unseren Anforderungen entspricht und ob jemand auch vom Typ her für uns interessant sein könnte. Wenn ja, laden wir sie oder ihn zu einem Vorsprechen ein. Wenn nein, schicken wir eine Absage. Bei uns wird eigentlich jeder Eingang beantwortet.

Wie sollte denn eine ansprechende Bewerbung für Sie aussehen?
Mittlerweile bevorzugen wir Bewerbungen per E-Mail. Wir berücksichtigen selbstverständlich auch Briefbewerbungen. Per Mail: Gerne in PDF-Form und das Anschreiben kurz gehalten - keine langen, ausführlichen Beschreibungen, wie gern man den Beruf ausübt und dass man schon seit der Kindheit gerne spielen wollte etc.
Fotos sind sehr wichtig. Wenn möglich, ein Porträtfoto und ein Ganzkörperfoto.
Geburtsjahr ist zwingend! Wir können niemanden berücksichtigen, der nur ein Spielalter angibt. Sprachkenntnisse sind wichtig und besondere Fähigkeiten.
Bei der Ausbildung ist ein Abschluss an einer staatlichen Hochschule Voraussetzung, vorzugsweise im deutschsprachigen Raum. Diejenigen, die von Privatschulen kommen, brauchen eine besondere Empfehlung von jemandem, der glaubwürdig ist (ein Profi/die ZAV o.ä.).

Das heißt, eine private Ausbildung ohne Empfehlung ist auch für Sie ein Ausschlusskriterium?
Wer sich von einer privaten Schule meldet, sollte eine Empfehlung beilegen können. Es gibt über 200 Absolventen jährlich von staatlichen Schulen, und es ist für uns als kleines Theater nicht möglich, die fast gleich vielen Privatabgänger zu berücksichtigen. Wer als Privatschulabsolvent*in eine interessante Theaterlaufbahn im CV aufweist, hat durchaus Chancen.

Haben Sie noch weitere Ausschlusskriterien? Und was ist wichtig beim Vorsprechen?
Wir betreiben einen großen Aufwand, um unsere Stellen zu besetzen. Für uns ist es wichtig, dass ein Vorsprechen dramaturgisch gut aufgebaut ist, d.h. dass man sich also in unterschiedlichsten Rollen zeigt und somit dem Zuschauer ermöglicht, eine Vision zu entwickeln, wofür man ihn besetzen könnte. Ein möglichst breites Spektrum ist also gefragt. Zeigen, dass man mit einem großen, schwierigen, vielleicht sogar sperrigen klassischen Text persönlich sein kann, dass man auch mit einer pointierten und komödiantischen Textform oder mit ungewöhnlichen Formen neuer Dramatik umzugehen weiß. Vielseitigkeit ist gefragt. Unser Theater hat ein kleines Festensemble und ist daher auf Schauspieler*innen angewiesen, die altersmässig rauf und runter spielen können.
Wichtig bei einem Vorsprechen sind auch die gesanglichen und artistischen Fähigkeiten. Wenn man ein transportables Instrument spielen kann, ist es gut, dies zum Vorsprechen mitzubringen.

Wann finden denn die Vorsprechen bei Ihnen statt bzw. wann ist der günstigste Bewerbungszeitraum?
Wir werden im September 2019 bereits den Spielplan für 20/21 bereitstellen müssen. Es wird kaum neue Festengagements geben, aber sicherlich einige Gastpositionen, und die werden wir möglichst vor Weihnachten besetzen wollen.
Es empfiehlt sich, Bewerbungen für die Spielzeit 20/21 bis spätestens Ende November zu senden.

Haben Sie sonst noch Anregungen oder Tipps für Bewerber*innen?
Es ist wichtig, bei einer Email-Bewerbung ein richtiges Unterlagen-Set mit Fotos, Lebenslauf und einem kurzen Anschreiben zu senden und nicht einfach Links zum Draufklicken zu mailen. Wenn man ein Showreel zeigen möchte, kann man das aber gerne als Link senden. Bitte auch keine Unterlagen in einer Dropbox speichern und versenden, denn die Dropbox-Links sind nach ein paar Tagen nicht mehr gültig, und manchmal ist es uns nicht möglich, dort rechtzeitig reinzuschauen.

Es ist nicht zu unterschätzen, dass man den Bewerbungen meist anmerken kann, ob sie in hundertfacher Ausgabe an alle Theater versendet wurden, oder ob der Absender effektiv Interesse hätte, sich am kleinsten Stadttheater der Schweiz vorzustellen. Mails, die wir als Massenversand identifizieren, laden nicht zur eingehendenden Lektüre ein. Professionell ausgewähltes Bildmaterial und gut dokumentierte Biografien schauen wir uns aber gerne und ausführlich an.

Nina Bruns

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