Wochenrückblick #46/19

2.300 € Mindestgage in Hessen

16.11.2019

BEV-Demo Bochum 2018

BEV-Demo Bochum 2018

So viele positive Meldungen in einer Woche, in der der Faust auf gutes Theater in der Fläche aufmerksam macht, nachhaltig investiert und gebaut wird. Aber ohne Wermutstropfen geht es eben doch nicht, denn manchmal scheint es, als gäbe es für den teuersten Kulturbau, den uneinsichtigsten Verehrer/Kollegen und den verbohrtesten Politiker mit großem Ruhm und Ehre verbundene Sonderpreise.

In Chemnitz darf gejubelt werden, genauso in Bremen, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, München und Berlin. Auch jenseits der großen Tanker der Theaterlandschaft fand der Faust dieses Jahr seine Preisträger*innen: Helge Schmidt (Regie Schauspiel), Maja Beckmann (Darstellerin Schauspiel), Elisabeth Stöppler (Regie Musiktheater), Johannes Martin Kränzle (Sängerdarsteller Musiktheater), Anne Teresa de Keersmaeker (Choreographie), Marlúcia do Amaral (Darstellerin Tanz), Birgit Freitag (Regie Kinder-/Jugendtheater) und Étienne Pluss (Bühne). Ausführlich von der Gala berichtet Deutschlandfunk Kultur.
 
In Hessen wurde ein neuer, größerer Kulturetat in den Haushaltsentwurf eingebracht. Dieser sieht für die kommenden vier Jahre eine Erhöhung von insgesamt 43 Millionen Euro vor.

„Wir wollen das zusätzliche Geld vor allem für Projekte nutzen, die dazu beitragen, dass alle Menschen gleichermaßen an Kunst und Kultur teilhaben können, unabhängig von sozialem Hintergrund, Bildung der Eltern oder geographischer Herkunft“,

sagt Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen). Frankfurt live berichtet.

Hübscher Nebeneffekt für die Theaterschaffenden in den drei Staatstheatern, am Stadttheater Gießen und am Landestheater Marburg: Hier steigt die Mindestgage auf 2.300 Euro pro Monat und liegt damit deutlich über der des NV Bühne. Einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Kulturfinanzen in hessischen Großstädten gibt es bei Sebastian Schäfer.
 
Am Landestheater Niederbayern, in der letzten Woche noch akut von der Schließung bedroht, kann (ein bisschen) aufgeatmet werden. Der Haushaltsausschuss der Stadt hat beschlossen, die Planungen für die Sanierung 2020 wie vorgesehen fortzusetzen. Nun bleibt zu hoffen, dass die beteiligten Träger auch Geld für die Sanierung selbst finden. Ein Interview mit dem Intendanten zu dem komplexen Thema hat die Passauer Neue Presse geführt.

Während im ländlichen Raum heftig gefeilscht wird, hat der Haushaltsausschuss des Bundes sein Kultursäckel aufgemacht und eine Gießkanne warmen Geldregens über die Republik regnen lassen. (Mehr) Geld erreicht das Nationaltheater Weimar genauso, wie die Gandersheimer Domfestspiele, das Musikfest Bremen oder zahlreiche Gedenkstätten. Sie alle profitieren von der Beschlussfassung. Auch das Museum der Moderne in Berlin, das mit 450 Millionen Euro Baukosten schon in der Planungsphase gut doppelt so teuer scheint, wie zunächst angenommen. rbb weiß mehr.

Alle haben es schon immer geahnt, dank der WHO kann man jetzt fundiert behaupten: Eine kreative Beschäftigung kann sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit auswirken. Über 900 globale Publikationen wurden für die bislang umfassendste Untersuchung zum Erkenntnisstand hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen den Künsten und Gesundheit analysiert. Das Deutsche Musikinformationszentrum hat Details.

Verwaltungsakt – ein amtsstubengraues, trockenes Wort, das der Besserstellung von Lehrbeauftragten an den deutschen Musikhochschulen entgegensteht. DOV und Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen setzen sich nun dafür ein, dass freien Dozent*innen an Musikhochschulen das Leben etwas leichter – und die Vergütung etwas besser gemacht werden sollen. Und um es etwas greifbarer zu machen, wie so eine Dozent*innen Karriere plötzlich zu Ende gehen kann, sei dieser Artikel in der Süddeutschen Zeitung empfohlen.

Menschen
Wo wir schon in München sind, sei die Causa Mauser einmal mehr erwähnt. Die Unterstützung des verurteilten Sexualstraftäters durch Kollegen machen die Mechanismen des kollektiven Täterschutzes traurig deutlich, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Neben uneinsichtigen Künstler*innen gibt es Menschen, die aus der Geschichte rein gar nichts lernen (wollen?). In Halle wurde Donatus Schmidt, Stadtrat für die AfD, mit großer Mehrheit aus dem Aufsichtsrat der Bühnen Halle abgewählt, zu unerträglich war das Nahverhältnis zu rechtsextremen Kreisen. Der Aufsichtsratsposten muss nun von der AfD-Fraktion nachnominiert werden, berichtet der mdr.
 
Um nicht gar so trüb zu enden, zum Geburtstag kann man Leopold Mozart gratulieren: Genie-Vater, Netzwerk-Genie, abgebrochener Jura-Student, Komponist und Augsburger. Zum 300sten alles erdenklich Gute!

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