Wochenrückblick #35/19

Druck auf die Kulturpolitik: Bedrückende und berückende Kulturpolitik

31.08.2019

Zoo Gesellschaftshaus in Frankfurt, Foto: Epizentrum [CC BY-SA 3.0]

Zoo Gesellschaftshaus in Frankfurt, Foto: Epizentrum [CC BY-SA 3.0]

Manche Theater stehen kurz vor ihren Eröffnungspremieren und dann sind ja auch noch Wahlen in Sachsen und Brandenburg. Wie wird die AfD abschneiden und was wird das für die Kulturpolitik bedeuten? In den letzten Jahren hat die erstarkende Neue Rechte vielerorts Druck auf Kulturinstitutionen ausgeübt, und wo dies nicht der Fall ist, stehen Theater durch Sparmaßnahmen mit dem Rücken zur Wand.

Altenburg, Dresden, Stuttgart, Berlin: Überall übt die Neue Rechte Druck auf Kulturinstitute aus. Manchmal geschehe dies über Hassmails, Mord- und Bombendrohungen, Strafanzeigen, Aufrufe zu Demos und Störaktionen, manchmal über legitime Anfragen im Parlament. Belege dafür gibt es hier, in einer gemeinsamen Recherche des ARD-Kulturmagazins Titel, Thesen, Temperamente und der Süddeutschen Zeitung. Im SZ-Podcast „Auf den Punkt“ gibt’s in der Folge „Kulturkampf der AfD“ weitere Hintergründe zum Thema.

Frankfurt bekommt ein neues Kinder- und Jugendtheater im Zoo Gesellschaftshaus! So viel steht nun fest, nachdem es im März Kritik am Konzept gegeben hat. Wie wichtig ein Theater für junges Publikum in einer immer diverser werdenden Stadtgesellschaft sein kann, kommentiert die FAZ.

Auch Schleswig bekommt sein neues Theater. Inzwischen ist klar wie die 12 Millionen, die der Neubau kosten soll, auf Stadt, Land und Kreis verteilt werden sollen. Genaueres weiß der NDR.

Leider wird nicht überall Geld in die Hand genommen. Woanders fehlt es bei bereits bestehenden Betrieben an der finanziellen Basis. Die GDBA (Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger), die VdO (Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer), die DOV (Deutsche Orchester-Vereinigung) und ver.di sprechen von einer Finanzierungslücke von insgesamt etwa, ja, 12 Millionen. Die vier Gewerkschaften fordern ab sofort volle Tariflöhne in Thüringen. Es sei dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung nicht mehr zeitgemäß, dass viele Thüringer Theater und Orchester weit unter Tarif bezahlten, während andere Angestellte des öffentlichen Dienstes Volltarif erhielten. Zur gemeinsamen Pressemitteilung geht es hier.
 

Am Theater Münster hat sich Intendant Dr. Ulrich Peters dazu entschieden, nur noch bis 2022 zur Verfügung zu stehen. Verkündet hat er diesen Entschluss an seinem Geburtstag. Einzelheiten hat die Münstersche Zeitung.


Karriere

Ein Preisregen geht über den Münchner Kammerspielen nieder: Christopher Rüpings Inszenierung „Dionysos Stadt“ ist Inszenierung des Jahres, Nils Kahnwald, Gro Swantje Kohlhof und Benjamin Radjaipour spielen mehrere Figuren in dem zehnstündigen Antikenspektakel. Kahnwald wird Schauspieler des Jahres, seine Kollegin Swantje Nachwuchsschauspielerin, sein Kollege Radjajpour Nachwuchsschauspieler des Jahres. Doch damit nicht genug, wird mit Lena Newton auch noch das Bühnenbild der Münchner Kammerspiel-Inszenierung „Drei Schwestern“ von Susanne Kennedy ausgezeichnet. Da erscheint es fast schon folgerichtig, dass Theater Heute die Münchner Kammerspiele zum Theater des Jahres kürt, und das in der letzten Spielzeit Matthias Lilienthals. Dass es schon beinahe Tradition hat, scheidende Intendanten der Münchner Kammerspiele in ihrer letzten Spielzeit auszuzeichnen, beschreibt Anke Dürr, eine der 44 Kritiker*innen, die an der Umfrage beteiligt waren, im Spiegel.

Auch NRW kann sich freuen: Elfriede Jelineks "Schnee Weiss (Die Erfindung der alten Leier)", uraufgeführt am Kölner Schauspielhaus, wird Theaterstück, Sandra Hüller mit „Penthesilea“ am Schauspiel Bochum Schauspielerin des Jahres. In der Kategorie Bühnenbild wird Ersan Mondtag gleich dreifach bedacht: Für „Die Räuber“ und „Wonderland AV“, beides am Schauspiel Köln, sowie für „Salome“ am Maxim Gorki Theater in Berlin. Das Kostüm des Jahres hat Vanessa Rust für Peter Lichts „Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ am Theater Basel geschaffen.

Neben den beiden Ensemblemitgliedern der Münchner Kammerspiele Gro Swantje Kohlhof und Benjamin Radjaipour wurde Laurenz Laufenberg, Ensemblemitglied an der Schaubühne Berlin, als Nachwuchsschauspieler des Jahres ausgezeichnet. Nachwuchsregisseur des Jahres wird Bonn Park, Nachwuchsautorin des Jahres Enis Maci. Alle Preisträger*innen beim Deutschlandfunk. Hörenswert auch, wie Redakteur Frank Wille von Theater Heute die Auszeichnung der Münchner Kammerspiele bewertet.

Angela Winkler wird mit dem Deutschen Schauspielpreis geehrt. In seiner Laudatio würdigte Ulrich Matthes ihre Darstellung der „Irina“ in Tschechows „Drei Schwestern“ am Deutschen Theater Berlin, wie Die Zeit berichtet.

In Potsdam wurde der diesjährige Preis der F.C. Flick-Stiftung für Toleranz und Zivilcourage an das Bündnis „Cottbus ist bunt“ verliehen, dem unter anderem auch das Staatstheater Cottbus angehört. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wird das vierte Mal verliehen. Mehr weiß die SZ.


Menschen

Der langjährige Burgtheaterschauspieler Bruno Thost ist in der Nacht vom 27. auf den 28. August 2019 im Alter von 84 Jahren verstorben. Das teilte das Wiener Burgtheater mit. Thost war dort zwischen 1970 und 2001 in über 70 Rollen zu sehen, schreibt die Wiener Zeitung.

Im Alter von 78 Jahren verstarb am 26. August der Schauspieler, Kabarettist und Synchronsprecher Helmut Krauss, der einem breiten Publikum nicht nur durch seine herausragenden Synchronarbeiten (u.a.war die deutsche Feststimme von Marlon Brando, Samuel L. Jackson und John Goodman), sondern auch als Peter Lustigs grummeliger Nachbar in der Kindersendung "Löwenzahn" bekannt wurde. Die Frankfurter Allgemeine hat einen Nachruf.

Und zum Schluss: Nicht nur entsteht in Frankfurt ein neues Kinder- und Jugendtheater, bekommt Schleswig-Holstein sein neues Landestheater - die Coburger vergewissern sich allem Brexit zum Trotz ihrer kulturellen Nähe zum britischen Königreich und bauen das Globe nach. Warum die Queen nicht automatisch amused sein dürfte, hier in der Kolumne von Olaf Przybilla...

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