Wochenrückblick #52

Ein positiver Blick zurück auf 2018

31.12.2018

Happy Boy

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Es ist die Aufgabe von Medien, Missstände aufzudecken, über Probleme zu berichten und Kritik zu üben. Das haben wir in unseren Wochenrückblicken hinlänglich getan. In unserem Jahresrückblick 2018 möchten wir mal etwas anderes tun. Wir wollen darüber berichten, was erreicht wurde, um die Lebensumstände der Kolleg*innen zu verbessern. Und da gibt es wirklich eine Menge schöner Dinge zu berichten.

#metoo: Kraft gegen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt
Nach den aufrüttelnden Berichten des Jahres 2017 über Missbrauchsfälle im Film- und Theaterbereich folgen nun Taten: Im Juni 2018 beschliesst die Jahresversammlung des Deutschen Bühnenvereins einen Kodex zur Verhinderung von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt.

Im September wird Gustav Kuhn, der Leiter der Tiroler Festspiele Erl, nach monatelangen Vorwürfen vieler Mitarbeiter*innen über „anhaltenden Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe“ beurlaubt.

Im Oktober 2018 nimmt Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt beim Film, Fernsehen und Theater ihre Arbeit auf. Sie dient nun als Anlauf- und Beratungsstelle für Kolleg*innen, die Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe am Theater erleben mussten.

Mehr Geld für die Theater(schaffenden)
Die Landesregierung in NRW erhöht die Landesmittel für kommunale Theater und Orchester bis 2022 um 30 Mio Euro. Der Freistaat Sachsen investiert 28 Mio Euro in den nächsten vier Jahren, das Geld soll für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten an den kommunalen Theatern und Orchestern sorgen. Auch Mecklenburg-Vorpommern erhöht die Landesmittel für die Theaterförderung um 4 Mio Euro – mit einer jährlichen Dynamisierung um 2,5%. Der sogenannte "Theaterplan" wird gestrichen, damit sind die Fusionspläne für viele Theater vom Tisch.

Viele Bundesländer erhöhen zudem die Mittel für die Freie Szene, so erhalten z.B. freie Hamburger Theaterschaffende ab 2019 fast eine Mio. Euro mehr als bisher.

Bessere Arbeitsbedingungen
Im Frühjahr 2018 steigen die Löhne der festangestellten Theaterleute an den Stadttheatern um 2,2% bis 3,2%, je nach Tarifvertrag – mindestens aber um 75 Euro. Außerdem gilt ab 1. April 2018 eine neue Mindestgage für künstlerische Mitarbeiter*innen am Theater: 2.000 Euro brutto. Vorher waren es 1.850 Euro, eine Steigerung um 8%. Parallel dazu hebt auch die Freie Szene ihre Mindesthonorar-Empfehlung entsprechend an.

Es gibt Neuregelungen für Schwangere Mitarbeiterinnen an den Stadttheatern: Der Arbeitgeber darf während der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Entbindung keine Nichtverlängerungsmitteilung mehr aussprechen. Damit verlängert sich der Vertrag für schwangere Kolleginnen automatisch um eine Spielzeit.

Vielen Theatern gehen sogar noch einen Schritt weiter. Um attraktiv zu bleiben, erhöhen sie individuell ihre Mindestgagen (z.B. auf 2.400 Euro im Theater Dortmund).  

Mehr Netzwerke
Auf der Bundesweiten Ensembleversammlung in Bochum gründet sich im Mai 2018 das "Verbändetreffen": Pro Quote Bühne, Regie-Netzwerk, ensemble-netzwerk, Ständige Konferenz Schauspielausbildung, Bundesverband für freie darstellende Kunst, Dramaturgische Gesellschaft, Deutscher Bühnenverein, art but fair, Bund der Szenografen und weitere Interessenvertretungen diskutieren kontrovers aber kontruktiv über die Zukunft der Arbeitsbedingungen am Theater. Das Treffen war so erfolgreich, dass 2018 noch zwei weitere Treffen folgten – und das nächste Treffen ist im Januar 2018 vorgesehen.

Solche Netzwerke ermöglichen die effektivere Durchsetzung von Verbesserungsvorschlägen. Weil jeder Verband seine eigenen Kontakte in die Politik hat und eine gemeinsame Themensetzung einen viel stärkeren Handlungsdruck erzeugt. Erster Erfolg der Netzwerk-Arbeit: Der Etat des Fonds Darstellende Künste wird erhöht.

Bei aller Freude sollte man zwei Dinge nicht vergessen: Erstens gab und gibt es im Theaterbereich zu allen genannten Themen einen übergroßen Nachholbedarf, denn in den vergangen Jahrzehnten sind fast alle Entwicklungen konsequent verschlafen worden. Auch mit den in 2018 erreichten Verbesserungen ist dieser Nachholbedarf nicht beseitigt, wir hinken immer noch hinterher. Zweitens könnte noch deutlich mehr erreicht werden, wenn die Solidarität und der Zusammenhalt unter darstellenden Künstler*innen größer wäre. Auch hier gibt es viel zu tun. Aber vielleicht geht da ja was in 2019. Das ist doch mal ein guter Vorsatz für's Neue Jahr...

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