Wochenrückblick #4/19

#Fridays4Future

26.01.2019

Die Vielen Logo

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Eine Woche, in der sich der Scheinwerfer einmal auf die Klimakrise richten muss. Kulturpolitik und Theatergeschehen haben dann etwas später ihren Auftritt mit positiven Nachrichten aus Sachsen und Baden-Württemberg – und ganz schön viel Stoff in Gütersloh.

Greta Thunberg, Klimaaktivistin aus Schweden, hat am heutigen Freitag beim World Economic Forum in Davos bei den versammelten Wirtschaftslenker*innen und Politiker*innen ihre Sicht auf den Zustand der Welt platziert: „Ich will dass Ihr in Panik geratet, dass Ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Und ich möchte, dass Ihr handelt!“ Hier auf Youtube das ganze Video. Gemeinsam mit Schüler*innen, die ihrem Beispiel folgen und unter dem Motto „Fridays4Future“ in den Schulstreik treten, setzt sie ein Zeichen an dem Tag, an dem auch in Deutschland die Kohlekomission nach einem Ausstiegsdatum für die Braunkohle sucht.
 
Zeitgleich mit den Sorgen um die Zukunft wirft die deutsche Vergangenheit auch wieder grauenvolle Schatten: Am 27. Januar wird der Gedenktag für die Opfer des Holocaust international begangen, daher finden in den Landesparlamenten und Gedenkstätten der Republik Gedenkveranstaltungen statt. In München sorgte die AfD-Fraktion für einen Eklat, weil sie nahezu geschlossen während der Rede der Holocaust Überlebenden Charlotte Knobloch den Saal verließ - mehr dazu im Bayerischen Rundfunk. Die Gedenkstätte Buchenwald hat vorsorglich mitgeteilt, dass die AfD-Fraktion des Thüringer Landtags bei der Gedenkfeier am Sonntag nicht erwünscht sei, sendet der Deutschlandfunk.

Gleichzeitig dazu schließen sich die Reihen der Kulturinstitutionen nach rechts: So soll es in der nächsten Woche auch in Bayern eine gemeinsame Erklärung zum Beitritt in die Bewegung „Die Vielen“ geben, meldet die NMZ. Und immer noch in der gleichen Woche wird drei kongolesischen Tänzern die Einreise nach Belgien verweigert, wo sie am NTGent an der Produktion „Histoire du Théâtre II“ mitwirken sollten, berichtet Nachtkritik.
 
Sehr viel Politik also an diesem Ende dieser Woche. Aber auch Kulturakteur*innen haben eben nicht den Platz im Elfenbeinturm gepachtet und wissen sich dort sicher. Und da ist es doch ermutigend, wenn die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering, sich zitieren lässt mit „Die Freiheit von Kunst und Wissenschaft gilt bei uns uneingeschränkt. Das ist auch eine Aufforderung an die Kulturpolitik: Sie darf und muss auch mutig sein.“ Das ganze Interview in den Stuttgarter Nachrichten.

Weitere Meldungen 

Der Aufschwung der Länderfinanzen schlägt sich glücklicher Weise auch weiterhin in den Theater- und Kulturetats nieder. In Sachsen sind 5 der 9 kommunalen Theater und Orchester wieder zum Flächentarifvertrag zurückgekehrt. Für einige der Beschäftigten bedeutet das eine Tarifsteigerung von 14% und das sind doch wirklich schöne Zahlen! Eine sehr detaillierte Übersicht gibt die Freie Presse.

Auch das Theater Konstanz hat angekündigt, erneut seine Einstiegsgage zu erhöhen. 2.300 Euro ist jetzt der Einstiegssatz für NV-Bühne Beschäftigte an diesem Haus.  Da bleibt sogar ein bisschen was zum Leben übrig, wenn man der Lebenshaltungskosten-Berechnung der Uni Konstanz glaubt.

Ein Mehr gibt es auch in München, hier sind es allerdings die Baukosten für den Umbau des Gasteigs, die explodieren. Wegen Verfahrensfehlern muss der Sanierungsauftrag neu ausgeschrieben und vergeben werden. Jeder Stadt eben doch seine Elphi oder sein BER. Wer den ganzen Krimi lesen will, wird bei der Süddeutschen fündig.
 
Dass mit Opernproduktionen manchmal auch ganz besondere Herausforderungen verbunden sind, muss gerade die Litauische Nationaloper erfahren, die die Turandot-Produktion von Robert Wilson aus Madrid zeigen wollte. Beim Transport wurden 80 Kostüme aus einem Lastwagen geklaut, nun ermittelt die Polizei Gütersloh in dem Fall. Falls jemand im Münsterland in ungewöhnlich steifen Stoff gehüllte Menschen entdeckt – bitte unbedingt melden! BR-Klassik hat Details.
 
 
Karriere
 
Neuer Schauspielintendant in Köln wird ab der Saison 2021/22 Carl Philip von Maldeghem. Auf Nummer sicher, meint Deutschlandfunk Kultur.
 
Erkenntnis der Woche: Hinterm Sänger hört man nichts. Wusste man aber auch schon bevor Jonas Kaufmann im großen Saal der Elbphilharmonie „Das Lied von der Erde“ sang. Aber hier hört man ihn klar, deutlich und bequem - vorausgesetzt man macht den Ton an. Enjoy!

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