Wochenrückblick #5/19

Kultur = Irritation und Inspiration

01.02.2019

Tivoli-Karussell, Foto: Jens Cederskjold [CC BY 3.0]

Tivoli-Karussell, Foto: Jens Cederskjold [CC BY 3.0]

Es gibt Themen, die bleiben. Und manchmal ist das zum Verzweifeln, beim Thema Machtmissbrauch zum Beispiel. Jährlich wiederkehrend – und für einige Institutionen und Akteur*innen immerhin erfreulich ist die Nominierung zum Theatertreffen und immer wieder interessant sind die Bewegungen im Führungskräfte-Karussell.

Was für ein Elend! Viel zu viele Meldungen gingen diese Woche zum Thema sexueller Missbrauch über die Ticker. Dabei scheint es schon zur traurigen Gewohnheit geworden zu sein, dass ein renommierter Musiker sich an einem jungen Menschen vergeht - und reflexhaft „ach was, einvernehmlicher Sex“ und „der junge Kollege will nur Aufmerksamkeit“ als Verteidigungsstrategie ruft. Wie es gerade David Daniels durchexerziert, dem nun die zweifelhafte Ehre zuteil wird, der erste Klassikstar zu sein, der im Rahmen von #metoo verhaftet wurde. Die Welt informiert.
 
Neu ist die Unverfrorenheit, mit der sich das Management des Orchestre National de France über ein Votum seiner Orchestermitglieder hinweggesetzt hat und den mehrfach des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Dirigenten Charles Dutoit trotzdem als kurzfristigen Einspringer engagiert hat. Detaillierter im SWR und auf slippedisc.
 
Viel mehr als eine traurige Gestalt ist auch Siegfried Mauser, ehemals Präsident der Münchner Musikhochschule und des Mozarteums Salzburg, nicht mehr. Er hat inzwischen Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht. Dies allerdings nicht in Zusammenhang mit seinen rechtskräftigen Verurteilungen wegen sexueller Nötigung, sondern diesmal geht es ums Geld. Solches nämlich, das Mauser nach Ansicht des Freistaats niemals hätte empfangen dürfen und zurückgefordert hat. Das möchte Mauser nun abwenden, die Süddeutsche klärt auf.  
 
Wenn von maroder Infrastruktur die Rede ist, denkt man üblicherweise an Autobahnbrücken, Bahnstrecken oder Schulsportanlagen. Aber auch die Theaterwelt kann da gut mithalten. In Leipzig wurde die Sanierung der Musikalischen Komödie beschlossen. Für eine Spielzeit zieht der Spielbetrieb ins Westbad, während der Publikumsraum die dringend notwendige Generalsanierung erhält. Schreibt die Leipziger Volkszeitung.
 
Auch in Trier wird das Theater nun saniert und gleich die Infrastruktur für eine Zwischennutzung geschaffen. Dafür stimmte der Stadtrat bei nur drei Gegenstimmen, berichtet der Volksfreund.
 
In Frankfurt und Stuttgart hingegen wird gestritten - um Sanierung oder Neubau der jeweiligen Opernhäuser. Wer da mit welchen Interessen welche Position einnimmt? In Frankfurt ist es recht durchsichtig: Hat der Gründer der Initiative für einen Neubau doch gleich durch sein eigenes Architekturbüro einen Entwurf präsentiert. Frankfurt live hat Details.
 
In der neu gegründeten Kulturministerkonferenz hat Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda zu einer engen Zusammenarbeit zwischen den Ländern und dem Bund aufgefordert. Und auf die gesellschaftliche Bedeutung der Kultur hingewiesen, die erst in zweiter Linie Repräsentationskultur sei. In erster Linie diene sie der „Irritation und Inspiration“ um „Vielfalt zu ermöglichen“ und „den freien Diskurs einer freien Gesellschaft zu stärken“. Schöne Lektüre in der Welt.
 
 
Preise und Fast-Preise
 
Jens Hillje, Ko-Intendant des Gorki Theater, darf sich im Sommer einen goldenen Löwen aus Venedig auf seinen Schreibtisch stellen. Die Biennale Venedig zeichnet den Dramaturgen (kaum 50 geworden) für sein Lebenswerk aus. Da er alle Eigenschaften in sich vereine, die einen modernen Dramaturgen ausmachten, begründet die Jury.
 
Die Jury des Theatertreffens hat gekreißt und ihre 10er Liste bekannt gegeben. Wir zählen aus: 3 mal Berlin, 2 mal Dresden, 2 mal Schweiz. 7 Regisseure, 2 Regisseurinnen, 1 mal Kollektiv. 3 mal freie Szene – und was für ein Glück, die Burg ist auch wieder dabei! Die Auswahl in der Pressemitteilung.
 
 
Karrieren
 
Ute Lemm - als ehemalige Dramaturgin und Operndirektorin in Schwerin bestens vertraut mit Deutschlands Norden - wurde zur Generalintendantin des Landestheaters Schleswig Holstein berufen, meldet auch der NDR.
 
An der Komischen Oper wird ab 2022 eine Doppelspitze das Haus in die umfassende Sanierungsphase führen. Susanne Moser und Philip Bröking amten dann als Ko-Intendanten, während der jetzige Intendant, Barrie Kosky, als Hausregisseur sicherlich nicht in der Versenkung verschwinden wird. Dabei ist auch interessant zu erfahren, dass das Schillertheater nur Proben- und Verwaltungsgebäude sein wird, während das Haus in der ganzen Stadt präsent sein will. Der Tagesspiegel berichtet.

... und dann wird es noch mal hektisch: Carl Philip von Maldeghem will als Intendant nun doch nicht an den Rhein nach Köln, sondern bleibt in Salzburg! Schon erstaunlich, dass er sich erst jetzt überlegt hat, dass ihn sein Salzburger Mehrspartenhaus doch mehr interessiert als nur das Schauspiel in Köln, schreiben die Salzburger Nachrichten.

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