Wochenrückblick #19/19

Numerologie

11.05.2019

© Alice Wiegand / CC-BY-SA-3.0

© Alice Wiegand / CC-BY-SA-3.0

Zahlen, Fakten, Freudentaumel? Nein, nein, nicht so schnell. Ist ja noch nicht Weihnachten! Wie steht es denn um die Arbeitsbedingungen auf und hinter den Bühnen? Gemischt, glaubt man Meldungen aus Chor-, Orchester- und Technikerkreisen.

24/7; 365/12 – von diesen Zahlen träumt der Deutsche Einzelhandel (jedenfalls teils). In Berlin Mitte tobt darum sogar ein wahrer Kulturkampf: Der legendäre Späti lebt gerne dieses Arbeitszeitmodell am Rande der Legalität.
 
Eine ganz legale, aber seitens der Arbeitnehmer*innen eher ungeliebte  24/7, 365/12 Verfügbarkeit gilt allerdings immer noch für Chor- und Tanzgruppenmitglieder in Theaterbetrieben. Erhofft hatte sich diese Gruppe einen selbst-disponierten freien Tag im Jahr, das wurde in der Tarifkommission nun abgelehnt. So heißt es weiterhin, dass sämtliche Bühnenkünstler*innen an 365 Tagen im Jahr für jeweils 24 Stunden dem alleinigen Bestimmungsrecht der Intendant*innen über ihre Arbeits- und Freizeit einschließlich des Urlaubs unterliegen. Schöne (alte) Arbeitswelt! So zu entnehmen der Pressemitteilung der VdO.
 
Und wieso soll es den Opernsolist*innen anders ergehen? Laut einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung kommen die nach langer Ausbildung nicht einmal an Jobs! Die Musikhochschulen bilden nämlich zu viele Opernsänger*innen für einen immer kleiner werdenden deutschen Arbeitsmarkt aus. Die Autor*innen der Studie fordern daher eine Veränderung der Ausbildung, um Absolvent*innen realistische Chancen in unterschiedlichen künstlerischen Berufsfeldern zu geben. Wahrlich, schöne Arbeitswelt ist anders! Eine Zusammenfassung der Studie auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung.
 
Und die Orchestermusiker*innen? Um deren Einkünfte ist es in Deutschland auch sehr unterschiedlich bestellt. Zahlreiche, besonders ostdeutsche Klangkörper nähern sich nur mühsam und von unten dem Tarifvertrag. Da ließ die Meldung aus Frankfurt (Main) – (nicht Oder!) - doch aufhorchen. Intendant Bernd Loebe sorgte sich um die Konkurrenzfähigkeit des Orchesters wegen nicht satisfaktionsfähigen Gehältern, Mitglieder des Klangkörpers müssten zum Teil Wohngeld beantragen, um in Frankfurt über die Runden zu kommen. Das nimmt bei Durchschnittslöhnen von 76.000 € p.a. selbst in „Mainhattan“ Wunder, findet Slipped Disc.  Die Frankfurter Rundschau berichtet von der Pressekonferenz.
 
Hinter der Bühne? Da werden alle „ausgequetscht wie Zitronen“, klagte Hubert Eckart, Geschäftsführer der Theatertechnischen Gesellschaft, in der FAZ ausführlich das Leid der Theatertechniker*innen. Keine sinnvolle Nachwuchspflege, zu wenig Geld und zu viel Druck. Und konstatiert: „Wer meint, so mit Menschen umgehen zu können, der wird sich wundern.“ Rosige Aussichten und ein besonders lesenswertes Interview.
 
Und noch: 960.000/8/4. Nordrhein-Westfalen hat weiter die Spendierhosen an und stockt die Förderung für die Freie Szene lobenswerter Weise auf. 960.000 Euro werden nun jährlich an 8 Ensembles des Freien Theaters und 4 Ensembles aus dem Bereich Kinder- und Jugendtheater verliehen. Weiter so!  
 
Über Halle legt sich langsam Schweigen – und deswegen gibt der Oberbürgermeister rasch ein Interview, in dem er den nichtverlängerten und preisgekrönten Intendanten der Oper, Florian Lutz, zur Neubewerbung aufruft… kann man so machen! Mehr in der MZ.
 
Personen
 
Das Theater Dortmund bekommt voraussichtlich eine Intendantin und eine junge obendrein! Julia Wissert möchte im Schauspiel künftig aktuelle Fragen von Diversität und Offenheit behandeln. Das Theater solle künftig ein Ort sein, der so vielschichtig sei, wie Dortmund selbst. Der Personalie muss der Rat der Stadt noch zustimmen, schreibt Ruhr24.
 
Die Autorin, Schauspielerin und Dramaturgin Esther Becker erhält den Berliner Kindertheaterpreis mit ihrem Stück „Das Leben ist ein Wunschkonzert“, das in der kommenden Spielzeit am GRIPS Theater uraufgeführt wird. Mehr dazu weiß Nachtkritik.

Gestorben ist Georg Katzer, Pionier der Elektronischen Musik in der DDR, Meisterschüler Hanns Eislers und Schöpfer wunderbarer Opern wie "Das Land Bum-Bum", die 1979 konstatiert: "Wenn nicht jeder jedem nachspioniert und nicht jeder jeden denunziert, bricht das Land zusammen". Ein Nachruf im Tagesspiegel.
 
Preise

Teresa Dopler ist für "Das weiße Dorf" mit dem Autor*innenpreis des 36. Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet worden. Details beim SWR.
 
8/6 . So lautet das Frauen/Männer Verhältnis bei den Nominierungen für den diesjährigen Bachmann Preis. Der ORF porträtiert Bewerb und Nominierte.

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