Wochenrückblick #43

Schnelle Lösungen und gutes Geld

29.10.2018

Staatstheater Mainz

Der Trend geht zur Zweitintendanz. Das könnte völlig neue Einspar-Effekte ermöglichen. Dabei ist das momentan gar nicht nötig, denn ein weiterer Trend geht zur Landes-Kulturetat-Erhöhung. Und ein Interessenverband verändert sich.

Bernd Loebe neuer Intendant in Erl
Nach massiven Vorwürfen wegen sexueller Belästigung und Machtmissbrauchs - und einem peinlichen Fernseh-Interview in der österreichischen Hauptnachrichtensendung ist Gustav Kuhn von seinen Ämtern als Dirigent und Intendant der Tiroler Festspiele Erl zurückgetreten und will sich nun "ins Kloster zurückziehen und eine Weile der schnöden Welt entsagen", wie sein Finanzier und Stiftungsratsvorsitzender Hans Peter Haselsteiner sich nicht entblödete zu formulieren. Der Täter als Opfer. Sein Nachfolger ward schnellstens aus dem Hut gezaubert: Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, wird ab 1.9.2019 das Amt übernehmen und hat bereits einen Fünf-Jahres-Vertrag unterzeichnet. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit in Frankfurt. Scheinbar ist das Intendanten-Amt wirklich ein so leichtes, dass man einfach mal so zwei davon übernehmen kann. Mehr im Standard.

Rheinland-Pfalz will Kulturetat um 10% steigern
Bisher belegte Rheinland-Pfalz laut Kulturfinanzbericht des Statistischen Bundesamts den letzten Platz in der Kulturförderung pro Einwohner. Das soll sich bald ändern. Finanzministerin Doris Ahnen hat einen Haushaltsentwurf in den Landtag eingebracht, der eine Erhöhung des Kulturetats von Minister Konrad Wolf um zehn Prozent vorsieht. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Plus von fast 11 Millionen Euro in 2019 und 11,5 Millionen in 2020.
Für die Theater bedeutet das konkret: Kaiserslautern, Trier und Koblenz bekommen zusammen zwei Millionen Euro mehr, das Staatstheater Mainz darf sich über eine zusätzliche Million freuen. Die Deutsche Staatsphilharmonie in Ludwigshafen erhält 250.000 Euro zusätzlich, die Rheinische Philharmonie immerhin 175.000 Euro mehr. Der Freien Szene wird der Etat um 14% erhöht. Außerdem möchte Kultusminister Konrad Wolf ein jährliches Theaterfestival an abwechselnden Orten ins Leben rufen, in dem die Schauspielsparten der Bühnen des Landes ihre Inszenierungen präsentieren. Das Festival wird 2020 am Pfalztheater in Kaiserslautern eröffnet. Die Rheinpfalz berichtet...

art but fair wird Thinktank
Die Vereine art but fair Deutschland, Österreich und Schweiz haben auf einer Klausurtagung in Bregenz zu ihrem fünfjährigen Bestehen beschlossen, die politische Strategie zu wechseln. art but fair will in Zukunft nicht mehr nur auf Skandale und Missstände im Kulturbetrieb hinweisen und reagieren. Stattdessen will man als Thinktank Schwächen des jetzigen Systems proaktiv aufdecken und zeitgemäße Lösungsalternativen vorschlagen.

"Manche dieser Skandale haben das Potential, das gesamte Stadttheater-System zu beschädigen und führen mittelfristig dazu, dass Kulturförderung gekürzt werden könnte. Das werden wir nicht zulassen. Wir werden mit neuen Konzepten zeigen, wie sich solche Auswüchse meist einzelner Personen strukturell verhindern lassen", so Johannes Maria Schatz, Vorsitzender von art but fair Deutschland. Mit den erarbeiteten Ergebnissen werde man dann die Kulturpolitik und die Kulturinstitutionen beraten.

Die Facebookseite "die unverschämtesten Künstlergagen" wird geschlossen, weil sie als "Pranger" nicht mehr in das neue Konzept des konstruktiven Thinktanks passt. Art but fair will aber Ansprechpartner für Theaterschaffende bleiben, wenn es darum geht, Missstände aufzudecken und Probleme in der Arbeitswelt von Theaterleuten zu beseitigen.

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