Wochenrückblick #6/19

Should I Stay Or Should I Go?

10.02.2019

by Doi Suthep CC BY-SA 3.0

by Doi Suthep CC BY-SA 3.0

Das (Intendanten-)karussell dreht sich: Manchmal bleibt einer sitzen, obwohl andere dachten, er steigt aus. Manchmal steigt einer nicht ein, von dem man dachte, er sitzt doch schon. Und manchmal erfährt man, dass einer einfach weiter gefahren ist, obwohl andere dachten, er sei ausgestiegen. Dann und wann, nein, kein weißer Elefant: Drei Frauen haben Platz genommen. Erstmals in einem freien Haus der Schweiz. Irgendwann vielleicht nicht mehr vermeldenswert. Im 22. Jahrhundert oder so.

277 Euro sind ein üppiger Stundenlohn. Zu üppig, befand das Verwaltungsgericht München. Es verurteilte Siegfried Mauser, ehemals Präsident der Hochschule für Musik und Theater in München, rund 21 000 Euro an den Freistaat Bayern zurückzuzahlen. Das Honorar hatte er sich überdies für einen Lehrauftrag bezahlen lassen, von dem er offiziell freigestellt war. Da die Lehre - wenn auch nicht gewollt - stattfand, darf Mauser Teilbeträge behalten. Es ist nicht sein erster Prozess: Im Mai letzten Jahres war Siegfried Mauser vom Landgericht München I wegen sexueller Nötigung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden, dagegen legte er Revision ein. Mehr Details weiß die SZ.

Es bleibt spannend am Kölner Schauspielhaus, wo die Berufung von Carl Philip von Maldeghem zum Intendanten heftige Kritik ausgelöst hatte, die letztlich zu seiner Absage führte. Unter diesen Umständen bleibt Maldeghem nun lieber am Salzburger Landestheater Intendant. Stefan Bachmann indes bliebe gern, obwohl er einst selbst für eine Befristung seines Vertrags bis 2021 gestimmt hat. Nun verweist er auf den „flow“, der entstanden sei. Seine Chefdramaturgin Beate Hein und er hätten mehr Ideen, als sich bis 2021 umsetzen ließe. Die zuständigen Politiker reagieren eher skeptisch. Wie genau, beschreibt die Rundschau Online.

In der Nachbarstadt Düsseldorf hingegen dreht sich das Intendantenkarussell vorerst gewiss nicht weiter. Intendant Wilfried Schulz hat sich anders als sein Kölner Kollege nicht selbst eine Befristung in den Weg gelegt. Er sei „kein Kurzstreckenläufer“ und immer sieben, acht Jahre an einem Haus. Nun kann er offenbar bleiben, obwohl das Schauspielhaus wegen einer Sanierung geschlossen werden wird. Näheres bei der Aachener Zeitung.

Bei den Bühnen Halle hingegen bleibt es turbulent. Diesmal geht es zur Abwechslung nicht um Geschäftsführer Rosinski, gegen den sich auch der Opernintendant Florian Lutz ausgesprochen hatte, sondern um Letzteren. Der Orchestervorstand spricht sich gegen eine Verlängerung der Opernintendanz von Lutz aus. Das Publikum kehre der Oper den Rücken, heißt es. Der MDR berichtet.

Einigung gibt es dafür in Sachen Plauen-Zwickau. Das gemeinsame Theater bleibt, die Verlängerung bis 2022 ist beschlossen - wobei Zwickau in Zukunft zwei Drittel der Kosten trägt. An beiden Häusern freuen kann man sich darüber, dass die eingefrorenen Löhne nach 15 Jahren Stagnation wieder steigen. Mehr dazu findet sich bei Radio Euroherz.

Am Brandenburger Theater tritt Frank Martin Widmaier an, nachdem Katja Lebelt seit einem Jahr nicht mehr zur Verfügung steht. Die Märkische Allgemeine berichtet.

Eine erfreuliche Nachricht kommt aus der Schweiz - nicht nur kommt hier ein Kollektiv in die Leitung, nein, es sind auch ausschließlich Frauen: Michelle Akanji, Rabea Grand und Juliane Hahn werden ab 2020 vier Jahre lang gemeinschaftlich die Gessnerallee leiten. Damit ist das Theaterhaus Gessnerallee das erste Produktionshaus der freien Tanz- und Theaterszene in der Schweiz mit einem Frauen-Leitungsteam, wie der neue Schweizer Berufsverband der professionellen Theaterschaffenden auf seiner Website mit Bezug auf die Pressemitteilung vermeldet.

Auch die Wetzlarer Festspiele sind ab nächstem Jahr unter weiblicher Leitung: Evangelia Sonntag übernimmt die Intendanz. Was die 40-jährige vorhat, steht hier bei Mittelhessen.de.

Zum Schluss: Ob sie gehen sollen oder weiter machen, das hat sich vielleicht auch die Gruppe Technocandy gefragt. Denn sie wollte am Theater Oberhausen eine Anti-Rassismusklausel in ihrem Vertrag haben. Der Intendant Florian Fiedler war dafür. Die Verwaltung hat sich geweigert. Ein interessantes Interview mit Fiedler auf Deutschlandfunk Kultur.

Menschen

Der Verlag der Autoren trauert um Peter Steinbach, der am 6.2.2019 im Alter von 80 Jahren in Dänemark verstorben ist. Er war „nicht nur einer der großen, stillen Könner des deutschen Rundfunks, Films und Fernsehens“, schreibt der Verlag auf seiner Website und benennt auszugsweise sein umfangreiches Werk. Zahlreiche Hörspiele und Theaterstücke sind aus seiner Feder. Aber vor allem hat Steinbach Fernsehgeschichte geschrieben, schreibt der Verlag der Autoren.

Alle News