Wochenrückblick #23

Tooooor!

08.06.2018

Sommermärchen...

Wenn Fußball auch im Theater zum Thema wird, der Nordosten in Bewegung gerät, der Nordwesten finanziell besser gestellt wird und in Bayern die Staatstheater vom Himmel fallen - dann ist es wieder Zeit für ein neues Sommermärchen!

Ab der kommenden Woche regiert König Fussball wieder Denken, Handeln und Sprechen „der Öffentlichkeit“. Ob er das unwidersprochen kann, weil die Talkshows Gedankenpause machen - wie vom Kulturrat gefordert? Ob er es ganze vier Wochen tun wird, weil die Deutsche Nationalmannschaft bis ins Finale vordringt? Da hilft nur ein Blick in die Kristallkugel!

Das Theater Essen jedenfalls meint es ernst mit der Fußballbegeisterung. Ab dem 16. Juni richtet die TUP Essen als amtierender Meister die 41. Deutsche Meisterschaft der Theater-Fußballmannschaften aus und bereits am 8. Juni gibt es im Foyer des Aalto-Theaters unter dem Titel „Anstoß, Anpfiff, Toooooooooor!“ ein munteres Nationalhymnen-Singalong.
Detaillierte Infos auf der Website der TUP Essen

Die Theaterlandschaft im Nordosten ist weiter in Bewegung. Bei einer Unterschriftensammlung haben sich mehr als 13 000 Menschen für den Erhalt des Theaters Vorpommern (mit Spielstätten in Greifswald, Stralsund und auf Rügen) in seiner jetzigen Form ausgesprochen. Die Petition wurde dem Schweriner Landtag übergeben. Berichtet die SVZ.
Und Ministerpräsidentin Schwesig bittet in der kommenden Woche zum Theatergipfel, seit 2012 bereits wird an einer Umstrukturierung der Theater herumgedoktert, seit 1996 sind die jährlichen Zuschüsse des Landes an die Theater nicht an Preis- und Tarifentwicklung angepasst worden, ganz zu schweigen davon, dass schon lange unter Tarif bezahlt wird... Es wird also wirklich Zeit! Der NDR hat Details .

In Bayern geht es dafür momentan ganz schnell, zwei neue Staatstheater in 13 Jahren! Denn das Kabinett hat nun auch die Umwandlung des Theaters Augsburg in ein Staatstheater beschlossen. Das verstärkte finanzielle Engagement des Freistaats stelle sicher, „dass das künftige Staatstheater Augsburg auf allerhöchstem künstlerischen Niveau arbeiten kann“, so Marion Kiechle, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Die Augsburger Allgemeine freut sich.  

Auch in Nordrhein-Westfalen fließt – auf längere Sicht – mehr Geld. Um 30 Millionen Euro wird die Basisförderung für kommunale Theater und Orchester auf dann 50 Millionen Euro bis 2022 erhöht. Aktuell trägt das Land nur etwa fünf Prozent zum jährlichen Zuschussbedarf der Theater und Orchester bei. Die Westdeutsche Zeitung berichtet.  

Zum Thema der strukturellen Absicherung kann auch noch positiv gemeldet werden, dass der Ort des "Hans Wurst Nachfahren"-Theaters in Berlin-Schöneberg auch künftig für Kinder und Jugendtheater genutzt wird. Der Senat hat beim Gebäudeeigentümer eine Verlängerung des Mietvertrags erreicht. Die aktuellen Betreiber des Puppentheaters, Siegfried Heinzmann und Barbara Kilian, gehen jedoch in den Ruhestand. Eine Ausschreibung für die künftige Leitung der Spielstätte läuft noch bis 30. Juni – und eine Sonderförderung gibt es obendrein! Die Morgenpost hat alle Details 

Mobbing, Mißbrauch von Machtstrukturen – eine Auseinandersetzung des Kulturbetriebs mit diesem Themenkreis wird noch andauern. Gut so. Die Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins an diesem Wochenende in Lübeck hat die Ausarbeitung eines Wertekodex auf der Agenda. Die Kleine Zeitung hat vorab mit dem Geschäftsführer Marc Grandmontagne gesprochen.

Und in Köln lässt die Oberbürgermeisterin Henriette Reker nach Mobbing-Vorwürfen gegen die Leitung des Kölner Schauspiels die Führungskultur an den städtischen Bühnen untersuchen. Das Kulturradio erklärt.

Beim Helsingborg Orchester in Schweden wird einstweilen versucht, auf Hass von außen mit Kunst zu reagieren. Auf Initiative des Tenors Rickard Söderberg wurde der Text einer Hass-Mail zur Basis für eine Kantate mit dem Titel „Schwulen-Zug“. Der Komponist Frederik Österling möchte mit diesem Werk das Zeitgeschehen durch die eigene Kunst reflektieren. Der BR berichtet

Und noch ein Ausblick, bevor es dann zu ausgezeichneten und beförderten Menschen geht: Offenbar tut Beteiligung not in der Causa Volksbühne Berlin. Daher ruft die Akademie der Künste am 15. und 16. Juni bei einem Symposium: "Vorsicht Volksbühne! Das Theater, die Stadt und das Publikum - Ein Kongress aus gegebenem Anlass."  Zum Programm, hier entlang

Karrieren

Hans Dreher, der aktuelle Leiter des Rottstr5-Theater in Bochum, soll ab der Spielzeit 2019/20 die künstlerische Leitung des Bochumer Prinz-Regent-Theater übernehmen. Der Trägerverein präsentierte ihn als Wunschnachfolger von Romy Schmidt, deren Vertrag nach einem Streit nicht verlängert worden war. Mit der Personalie kündigt sich eine Theater-Fusion an. Berichten die Ruhr Nachrichten. 

Thomas Köck gewann mit seinem Stück „paradies spielen (abendland. ein abgesang)“ in der Inszenierung des Nationaltheater Mannheim (Regie: Marie Bues) den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis 2018. Den Publikumspreis der „Stücke 2018“ erhielt Elfriede Jelinek für ihr Stück „Am Königsweg“ in der Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg. Meldet Deutschlandfunk Kultur

Der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters und mehrmalige Neujahrskonzert-Maestro Mariss Jansons wurde zum Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker ernannt. Der SWR hat Details 

Menschen

Hilmar Hoffmann ist tot. Um den einflussreichen Kulturpolitiker, ehemals Präsident des Goetheinstituts, langjähriger Kulturdezernent in Frankfurt, Gründungsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft und Verfasser der wegweisenden Schrift „Kultur für Alle“ starb am 1. Juni in Frankfurt. Kurz vor dem Tod entstand noch dieses Interview für die Kulturpolitischen Gesellschaft. Ein Nachruf findet sich u.a. in der Zeit

Hanns-Martin Schneidt, langjährige Leiter des Münchner Bach Chores, prägend für eine ganze Generation süddeutscher Oratoriensänger*innen, verstarb am 28. Mai. In der Süddeutsche Zeitung wird ihm gedacht.

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