Wochenrückblick #22/19

Viel Schatten, wenig Licht

02.06.2019

Foto: Martin Schotte auf pixabay

Foto: Martin Schotte auf pixabay

Was kann man erwarten von einer Woche, an deren Beginn eine denkwürdige Europa-Wahl stattfand und die mittenhinein gesprengt wurde durch den Vater- und Herrentag mit marodierenden Jungmännerhorden und ihren Bollerwagen? Nicht viel Theatrales – und nur sehr wenig Gutes!

Einige kleine und mittlere Bühnen immerhin konnten sich über einen warmen Geld- und Preisregen freuen. 11 von ihnen wurden mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet, da sie „aufgrund ihres künstlerischen Gesamtprogramms, durch außergewöhnliche Produktionen oder strukturelle Zukunftsentscheidungen bundesweite Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren.“ Die Oper Halle wurde dabei ebenso für ihr innovatives Programm gefeiert (das in der eigenen Geschäftsleitung ja keineswegs auf Gegenliebe stößt – wir berichteten), wie das inklusive Theater Thikwa in Berlin oder die Pilkentafel im hohen Norden der Republik. Monika Grütters, die die Preise verlieh, stellte jedenfalls fest: "Als Verhandlungsorte gesellschaftlicher Widersprüche sind sie [die Theater] heute wichtiger denn je, weil sie Menschen miteinander ins Gespräch bringen". Gut so, sprechen wir – miteinander. Alle Preisträger erwähnt auch Musik heute.
 
Traurig stimmt hingegen ein Artikel im Magazin VAN über das Geschäftsgebaren von Agent*innen in der klassischen Musikbranche. Ein raues Geschäft, bei dem nur schwer zwischen fair oder unfair, geleisteter oder nichtgeleisteter Arbeit zu unterscheiden ist – und dem zweifellos ein wenig mehr Transparenz nicht schaden würde. Gerade weil junge Musiker*innen immer stärker in prekäre Arbeitssituationen hinein geraten, wie unlängst auch eine Bertelsmann Studie ergab (wir berichteten) .
 
In Frankfurt kracht es nicht nur auf der Bühne im Streit zwischen Intendant Weber und Regisseur Rasche, auch hinter der Bühne ist Dampf auf dem Kessel. Die Kulturdezernentin Ina Hartwig brüskierte die Koalitionspartner mit einem Alleingang zu einem Pressetermin, in dem sie über die bauliche Zukunft der Frankfurter Bühnen informierte. Weder der Pressetermin noch dessen Inhalte seien in der Koalition abgesprochen gewesen. Berichtet die Frankfurter Rundschau.
Aber immerhin, an diesem Zitat wird sie gemessen werden: „Ich kann keiner Interimslösung zustimmen, die eine Einschränkung der künstlerischen Qualität bedeutet.“ So zitiert sie die FAZ.
 
Der Blick nach Übersee ist im Übrigen auch nicht munter. Dort wurde in den Musiker*innen des Baltimore Symphony Orchestra kurz nach einer stattlichen staatlichen Finanzspritze die Sommersaison (und damit die Weiterbezahlung nach dem 16. Juni) gestrichen. Die fassungslosen Orchestermitglieder melden sich zu Wort.
 
Menschen
Gratulation nach Karlsruhe: Jan Linders, langjähriger Referent des Generalintendanten, wechselt an das Humboldt Forum Berlin, wie lifepr berichtet. Dort verantwortet er künftig die Leitung des Bereichs Programm und Veranstaltungen. Daraus resultieren größere Rochaden am Badischen Staatstheater: Laura Akerlund wird neue Chefdramaturgin sowie Beauftragte für Internationales, Interkulturelles, Vernetzung und Human Resources. Betriebsdirektorin Ute-Christine Deppermann übernimmt zusätzlich die Stellvertretung des Generalintendanten in künstlerischen Fragen.
 
Eva Kleinitz, die Intendantin der Opéra national du Rhin, hat den Kampf gegen ihre Erkrankung verloren. Einen Nachruf auf die Musiktheater-Ermöglicherin hat die Welt.

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