Wochenrückblick #11/19

Von Wasserrohren und Geld

17.03.2019

Foto: Bernd Hildebrandt auf Pixabay

Foto: Bernd Hildebrandt auf Pixabay

Man könnte Zweiteres durch Erstere jagen. Der passende Rahmen dazu müsste freilich gefunden werden; vielleicht irgendeine gesellschaftskritische Performance mit einer wuchtig-verstörenden Aussage. Wir sind hier aber beim Wochenrückblick - deshalb wird schön der Reihe nach berichtet.

Die Sanierung der Düsseldorfer Oper: Schätzungen sprechen von 86 Millionen Euro, bzw. die die Schätzungen Äußernden sprechen - doch Kulturdezernent Hans-Georg Lohe schätzt und spricht: Über 100 Millionen Euro in den nächsten 25 Jahren, unter anderem der in der Überschrift erwähnten (veralteten) Wasserrohre wegen. Der WDR rauscht dazu.

Während sich Wasserrohre in Opernhäusern immerhin recht bald über großzügige finanzielle Zuwendung freuen dürfen, sieht es für die Gesangssolisten dort weiterhin mau aus. Kulturbanausen mögen nun einwerfen, dass der Gesang der Wasserrohre ein schönerer sei als der von der Opernbühne herab zu vernehmende - die prekäre Arbeitssituation selbst an großen Häusern (befristete Verträge, aktuell 2000 Euro Brutto Mindestlohn) aber gibt doch zu denken. In Zeit Campus berichtet ein ehemals Betroffener.

Elfriede Jelinek hat etwas unterschrieben: Einen offenen Brief. Kulturschaffende fordern darin eine "transparente und auf zeitgenössische Theaterdiskurse Rücksicht nehmende Intendant*innenfindung für das Schauspiel Köln". Adressiert ist das Ganze an die dortige Oberbürgermeisterin. Wer sonst noch unterschrieb, weiß mal wieder nachtkritik.

Der Fonds "Doppelpass" der Kulturstiftung des Bundes empfiehlt im insgesamt sechsten Turnus 15 Netzwerkkooperationen, die insgesamt 3,6 Millionen Euro erhalten sollen. Die Kooperationen bestehen aus jeweils einer freien Gruppe und zwei festen Tanz-bzw. Theaterhäusern. Jede Partnerschaft erhält 240.000 Euro. Details dortselbst.

2,178 Millionen Euro erhalten sieben Projektanträge in der zweiten Förderrunde der bundesdeutschen Initiative TANZPAKT Stadt-Land-Bund, an welcher Kommunen, Bundesländer und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien beteiligt sind mit der Absicht "der Förderung langfristiger Projekte, die zur strukturellen Stärkung und künstlerischen Profilierung der Kunstform Tanz in Deutschland beitragen" (Zitat aus der Presseaussendung des Dachverband Tanz Deutschland). Weitere Infos auf der Tanzpakt-Website.

Der Stadtrat Gera dagegen sagte im Dezember: Die Theater Altenburg Gera gGmbH solle die Instandsetzung von von ihr genutzten städtischen Gebäuden bezahlen, die sie (noch) mietfrei nutzen. Abgelehnt, heißt es jetzt, denn: Die Zuwendungen seien ausschließlich für die Betriebsausgaben bestimmt. Die Ostthüringer Zeitung dazu.

Menschen

Der Intendant des Schauspiel Dortmund, Kay Voges, bleibt zwar als Gründungsdirektor der Akademie für Theater und Digitalität genannter Stadt gewogen, breitet aber ansonsten seine Flüges aus und hebt ab von der Intendantenstelle... Tschüss!

Martin Kušej, in der bayerischen Hauptstadt Intendant am Residenztheater, macht's wie Kay Voges, landet aber auf den Zinnen des Burgtheaters, denn: "Man muss sich positionieren" (O-Ton). Die Nachtkritik hofft dort nun auf deutliche politische Stellungnahmen, hatte Kušej sich doch in München solidarisch mit der #ausgehetzt - Demo (gegen Populismus und Hetze) erklärt.

Statt es den oben erwähnten Institutionen zu schenken, nutzen Felicity Huffman und Lori Loughlin ihr Geld lieber für illegale Nachwuchspflege: Die Schauspielerinnen gehören zu insgesamt 46 reichen und prominenten Amerikanern, die Eliteunis mit viel Geld bestochen haben sollen, damit ihr Nachwuchs dort Unterschlupf findet. Deutschlandfunk berichtet.

Der Theaterkritiker und Gründer des Gießener Theaterinstituts Andrzej Wirth ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Zu seinen Schülern gehörten u.a. René Pollesch, sowie die Leiter von Theatergruppen wie "Rimini Protokoll" und "She She Pop". Deutschlandfunk Kultur porträtiert einen Wegbereiter des postdramatischen Theaters.

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