Wochenrückblick #38

Weiblicher!

27.09.2018

Nana, Hauptbahnhof Zürich

Führung ist selbst in Orchestern und in München nicht mehr nur männlich, es wird gebaut und es werden Preise verliehen. Und: schon gewusst, dass es 44.361 festangestellte Mitarbeiter*innen an den deutschen Theatern gibt? Nicht? Dann schnell News lesen!

Führungspositionen an deutschen Bühnen sind mehrheitlich männlich besetzt. Dieses Gefühl haben wir unlängst auch durch eine Studie des Deutschen Kulturrats schwarz auf weiß bestätigt bekommen. Hier zum download.
Ein bisschen weiblicher wird es nun wieder - und das gleich in dem besonders männlich dominierten Bereich der Orchesterleitung: An der Oper Halle und dem Theater Magdeburg wurden Dirigentinnen zu GMDinnen, nämlich Ariane Matiakh (die Meldung bei BR-Klassik) und Anna Skryleva (die Meldung beim MDR).
Dass parallel der Komponist Moritz Eggert in DER ZEIT wortgewaltig über die patriarchalen Machtstrukturen, die antiquierte Ästhetik an den deutschsprachigen Musiktheaterbühnen poltert, stimmt ein bisschen hoffnungsfroh, dass sich doch gerade etwas bewegt im Diskurs! Es lohnt sich, den Artikel in DER ZEIT zu lesen! 
Die größere, überbordende, fast ekstatische Aufmerksamkeit bekommt aber wieder ein Mann am Dirigierpult (ohne Dirigierstab, darauf legt er wert!). Teodor Currentzis hat seine neue Stelle als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters in Stuttgart angetreten. Das führt zu einem wilden Presseecho, „überzeugt, triumphiert, gefeiert“ wird der „schillernde“ Orchesterleiter aus Perm. Einen Dirigenten, der gern einmal Probenzeiten überzieht und nachts aufnimmt, dem Orchester vorzusetzen, das jüngst aus einer schmerzvollen Zwangsfusion zweier traditionsreicher Rundfunkklangkörper hervorgegangen ist, ist jedenfalls ein gewagtes Experiment interkultureller Toleranz. Ein ausführliches Portrait des Dirigenten hat das Magazin VAN.
 
Der Deutsche Bühnenverein hat zum Saisonstart die Statistik der Spielzeit 16 / 17 vorgelegt. Immer wieder ein eindrucksvolles Zahlenwerk aus dem sich – je nach Gusto – das Eine oder Andere herauslesen lässt. Wir können schwärmen von um 3,7 % Erhöhung der öffentlichen Zuwendungen, von einer steigenden Anzahl festangestellter Mitarbeiter*innen – oder jammern über die gesunkene Vorstellungszahl, den Besucher*innenschwund, der zwischen 6,8% (Operette) und 1,6% (Konzert) liegt. Alle erfassten Häuser und Festivals konnten zusammen jedenfalls 35,5 Millionen Besucher*innen begrüßen – und das ist doch eine ziemlich wuchtige Zahl! Die ganze Pressemeldung hier.
 
Apropos Zahlen: Das Theater Nordhausen geht in die Sanierungsphase und bekommt dafür 24,2 Millionen Euro von Stadt und Land. Schon in diesem Jahr sollen erste Bauarbeiten beginnen und die Sanierung im Jahr 2024 abgeschlossen sein – 110 Jahre nach Baubeginn des neoklassizistischen Baus, meldet Musik heute.
 
Barbara Mundel wird als Nachfolgerin für Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen gehandelt. Sie wäre die erste weibliche Führungskraft im großen Münchner Theaterzirkus. Diese Personalie hat der städtische Kulturreferent, Hans-Georg Küppers dem Kulturausschuss vorgeschlagen – und die Süddeutsche Zeitung freut sich: „Mit Mundel scheint nun beides möglich zu sein: der Erhalt der Münchner Kammerspiele als ein Theater der Innovation. Und gleichzeitig aber auch ein Theater, das keinen Wert darauf legt, alteingesessene Abonnenten zu vergraulen, sondern die ganze Stadtgesellschaft erreichen will.weiterlesen? hier lang!
 
Ein kleiner Exkurs noch zu denjenigen, die die Berichterstattung um Machtmissbrauch der vorigen Monate beherrschten: Gustav Kuhn wurde in Erl nun auch als Dirigent beurlaubt (der Standard berichtet). Evan Christ einigte sich nun doch außergerichtlich über eine Vertragsbeendigung mit dem Staatstheater Cottbus. Über die (auch finanziellen) Details der Vereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart, weiß klassik.com
 
Preise
Am 3. November wird in Regensburg „Der Faust“ verliehen, diese Woche wurde die Liste mit den Nominierungen veröffentlicht – und siehe da, es finden sich 12 Frauen und 13 Männer als potentielle Preisträger*innen wieder. Unrühmlich allein die Sparte Opernregie: 3 Nominierte, 3 Männer.
Den Faust für das Lebenswerk erhält der Komponist Aribert Reimann. Die Pressemeldung hier. 
 
Der Ludwig-Mülheims-Theaterpreis geht in diesem Jahr an den Dramatiker Ferdinand Schmalz. Der gebürtige Grazer erhält den Preis insbesondere mit Blick auf seine Hofmannsthal-Neuschreibung "Jedermann (stirbt)", uraufgeführt am Wiener Burgtheater durch Stefan Bachmann. Alle Informationen auf der Website. 
 
Den altehrwürdigen ARD Musikwettbewerb gewann in diesem Jahr in der Kategorie Gesang das neue Ensemblemitglied des Augsburger Theaters, Natalya Boeva. Hier ihr Finale zum Nachhören.

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