Wochenrückblick #31/19

In Transit

03.08.2019

Woodstock 1969, Foto: Woodstock Whisperer [CC BY-SA 4.0]

Woodstock 1969, Foto: Woodstock Whisperer [CC BY-SA 4.0]

Festivals, Pausen, Resümee, Neuanfang: Dafür lässt sich ein Sommer gut nutzen. Man kann sich auf Lorbeeren der vergangenen Spielzeit ausruhen, über neue Aufgaben oder Aufträge nachdenken, grüne Hügel erklimmen oder sich wummernden Bässen hingeben. Aber manchmal, da macht die Realität einen Strich durch die Rechnung: Weil Finanziers nicht wollen, weil die Arbeitsmarktrealität Atypie bescheinigt, oder weil Zustände im künstlerischen Ausbildungsbetrieb zum Himmel schreien.

Sommerzeit ist Festivalzeit, nicht nur im ländlichen Raum in Deutschland, wo von Bayreuth bis Wacken die Wiesen zum Beben gebracht werden. Wenn es eine internationale Legende gibt, dann Woodstock, das Blumenkinder-Megaevent fand vor 50 Jahren statt. Dass Wiederaufgewärmtes nur hin und wieder gut schmeckt, zeigt sich deutlich bei dem Versuch Woodstock wieder aufleben zu lassen. Die Süddeutsche Zeitung hat eine Chronologie erstellt
 
Sommerzeit ist Resümee-Zeit, und so können sich verschiedentlich Theater mit dem Lorbeer kränzen, den die Kritikerinnen und Kritiker der Deutschen Bühne winden. Beim Theater Basel und den Münchner Kammerspielen dürfen sich die scheidenden Intendanten Andreas Beck und Matthias Lilienthal freuen, die Regisseure Christopher Rüping und Ulrich Rasche lieferten herausragende Regiearbeiten, und der Intendant der Oper Halle, Florian Lutz, wird für seinen Widerstand in Halle belobigt und in seiner Situation bestärkt. Die Saison 2018/19, sie war - jedenfalls nach Meinung der Kritiker*innen - offenbar männlich und weiß.

Nach den Enthüllungen über Gewalt und Missbrauch an der Ballettakademie in Wien im Frühjahr, hat die zuständige Untersuchungskommission nun ihren Zwischenbericht vorgelegt. Über den eigentlichen Hintergrund ist zwar noch wenig zu erfahren. Umso mehr werden dafür strukturelle Defizite offengelegt. „Die eingeladenen Auskunftspersonen konnten teilweise nicht angeben, wer welche Entscheidungen trifft, wer wofür zuständig und wer der unmittelbare Vorgesetzte im Dienstbetrieb ist.“ Unter solchen Voraussetzungen lässt sich natürlich herrlich mauscheln! Einen ausführlichen Bericht schreibt Die Presse.
 
Sommer, da lohnt auch ein Blick voraus, vielleicht auch auf den Arbeitsmarkt? Atypisch beschäftigt ist in Deutschland, wer in Teilzeit, in einem Minijob oder befristet angestellt ist. Oder befristet… überraschtes Staunen, das ist atypisch? Immerhin ein Fünftel der Arbeitnehmer*innen in Deutschland befinden sich in einer solchen Arbeitssituation. Wenig überraschend ist dabei die Analyse, dass solcherart Beschäftigungsverhältnisse für eine ausreichende Rente nicht wirklich dienlich sind - und besonders Frauen häufig aus diesen Verhältnissen nicht mehr gut herausfinden. Die Zahlen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts zeigen aber auch, dass atypisch mitunter typisch ist: In Delmenhorst oder Plön befinden sich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer*innen in solchen Beschäftigungsverhältnissen.  Mehr Informationen gibt es im Datenzentrum der Hans-Böckler-Stiftung.
 
Menschen

Douglas Bostock wird neuer Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Die Badischen Neuen Nachrichten haben Details

Und am Volkstheater Rostock startet Ralph Reichel in eine neue Intendanz. Er kam schon vor drei Jahren gemeinsam mit Vorgänger Joachim Kümmritz nach Rostock, hat das Theater gemeinsam mit ihm in "sicheres Fahrwasser" geführt und will diese Arbeit weiter fortsetzen, weiß Die Welt.
 
Verabschieden müssen wir uns vom Choreographen und Regisseur Johann Kresnik. Er verstarb im Alter von 79 Jahren in Klagenfurt. Ein Nachruf auf den Meister des Furors im Standard.

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