Wochenrückblick #30/19

Kulturkampf in Tirana

27.07.2019

National Theater Tirana, Foto: JoraK [CC BY-SA 4.0]

National Theater Tirana, Foto: JoraK [CC BY-SA 4.0]

In Tirana besetzen Künstler und Bürger das albanische Nationaltheater, um es vor Investoren zu schützen. In Augsburg hat man sich beim Theaterumbau um 20 Millionen verschätzt - und es gibt eine interessante Veröffentlichung über die Situation und die Arbeitsbedingungen in der freie Musikszene Deutschlands.

Seit einem Jahr schon finden am albanischen Nationaltheater in Tirana regelmäßige Demonstrationen statt, immer wieder blieben Aktivistinnen auch über Nacht. Nachdem es am Mittwoch zu Zusammenstößen mit der Polizei kam, hat die Allianz zum Schutz des Theaters in Tirana nun das albanische Nationaltheater besetzt, um die Übergabe des öffentlichen Grunds an einen privaten Investor zu verhindern, der das ehemals denkmalgeschützte Gebäude abreißen und neben einem neuen Theater sechs Hochhäuser errichten möchte. An den Protesten beteiligen sich nicht nur Theaterschaffende. Näheres erfahren wir in einem Interview der FAZ mit dem Aktivisten Besjan Persha.

Erhalt eines bestehenden Theatergebäudes oder Theaterneubau? Diese Frage ist seit Jahren auch Thema in Augsburg, geprägt allerdings weniger durch politischen Idealismus und Solidarität von Theaterschaffenden und Einwohnern, sondern vielmehr durch die ermüdende Frage nach Kosten und Nutzen. Nachdem bereits 2016 ein Bürgerbegehren gegen die Sanierung des alten Theaters gescheitert war, wie unter anderem der BR berichtete, lautete die jüngste Vereinbarung, die frühere Spielstätte zu sanieren und sie zudem um einen Neubau zu ergänzen. Diese Pläne haben nun eine Schlappe erfahren: In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Kosten hierfür um 20 Millionen Euro zu niedrig veranschlagt sind, wie die Süddeutsche berichtet.

Das Festival von Avignon ist seit Dienstag beendet; wie jedes Jahr müssen die Zeitungen nun neue Wege finden, die Sommerlöcher auf den Feuilletonseiten zu stopfen. Ein durchaus lesenswertes und kritisches Fazit von Joseph Hanimann findet sich in der Süddeutschen Zeitung.

Ein weiterer Lesetipp führt uns zum Deutschen Musikinformationszentrum: Der neue Online-Fokus "Freie Ensembles" gibt einen Überblick über die freie Musikszene, nicht nur in inhaltlicher und künstlerischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf Arbeitsbedingungen und finanzielle Aspekte.
 

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