KIBA / BHB Dinslaken

Schlichtheit und Übersichtlichkeit

07.08.2019

Mirko Schombert, Foto: Nadja Blank

Mirko Schombert, Foto: Nadja Blank

"Weniger Druck bedeutet nicht weniger Kreativität oder künstlerischer Wille. Im Gegenteil. Es bedeutet mehr Freiheit." Mirko Schombert, Intendant der Burghofbühne Dinslaken, sprach mit Lilja van der Zwaag vom Jungen Ensemble-Netzwerk über Initiativbewerbungen von Schauspieler*innen.

Gibt es Vakanzen für die kommende Spielzeit?
Bei uns sind alle Stellen besetzt für die Spielzeit 19/20. Es kann aber sein, dass am Ende der Spielzeit noch Gäste gesucht werden für die Eröffnungsproduktion 20/21. Es wird der Sommernachtstraum sein, da gibt es ja doch einige Rollen.

Welche Einstiegsgage zahlen Sie Berufsanfänger*innen?
2000 € Mindestgage

Wie gehen Sie mit Initiativbewerbungen um?
Wir freuen uns über Initiativbewerbungen. Man muss dazu sagen, dass wir ja ein winzig kleines Landestheater sind. Wir haben 4 feste Ensemblestellen. Das führt dazu, dass wir sehr viel mit Gästen arbeiten und häufig auch mit den gleichen immer wieder.
Dadurch, dass wir so klein sind, sind wir auch ein klassisches Anfänger*innen-Theater. Das bedeutet im Normalfall, dass jemand 2, 3, maximal 4 Spielzeiten bei uns bleibt und dann weiterzieht.Wir haben nicht viele Stellen, aber häufige Wechsel, das heißt , dass wir regelmäßig suchen.

Wie soll die Bewerbung aussehen (Fotos, Anschreiben, welches Format etc.)
Im Idealfall per E-Mail. Lieber als per Post. Alles in einer PDF-Datei wäre optimal. Wenn wir dann wirklich suchen, wählen wir natürlich die interessantesten Bewerbungen heraus, und dann ist es deutlich einfacher, bei einem PDF auf „drucken“ zu klicken, anstatt 15 Fotos einzeln auszudrucken. Drei Fotos reichen vollkommen aus.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man natürlich möglichst viel von sich erzählen möchte, aber in der Masse der Bewerbungen ist es tatsächlich für den Überblick am besten, die harten Fakten drin zu haben. Es sei denn, jemand hat wirklich viel gesehen, oder kennt Leute, dann kann man das gerne erwähnen. Die Theaterwelt ist so klein, da spielt eine positive Zusammenarbeit mit uns bekannten Kollegen schon eine Rolle.
Häufig kommt vor, dass Bewerber*innen schreiben, dass sie unser Spielplan anspricht und sie toll finden, dass wir Dieses und Jenes machen. Ist von unserer Seite total nachvollziehbar und finden wir auch nicht doof, aber ist überflüssig für uns in der Bewerbung.
Was banal ist, aber im Alltag auffällt, ist, dass es ganz toll wäre, wenn eine Telefonnummer mit in der Bewerbung stehen würde. Wir bekommen häufig Bewerbungen nur mit Mails, und es ist sehr viel einfacher, wenn man direkt anrufen kann.

Wann ist der günstigsten Bewerbungszeitraum - und wann sind die  Vorsprechen?
Das muss man unterteilen. Wenn wir fest suchen, dann fangen wir Mitte bis Ende November an zu suchen und machen Vorsprechen im Dezember, Januar und Februar. Also ist es sicher gut, wenn die Bewerbung bis November bei uns eintrifft.

Haben Sie bestimmte Ausschlusskriterien?
Auch das klingt sicherlich banal, ist aber für uns als kleines Landestheater keine Selbstverständlichkeit: Wir möchten schon mit Menschen zusammenarbeiten, die eine abgeschlossene Schauspielausbildung haben. Wir laden nicht nur von staatliche Schulen Bewerber*innen ein. Gerne auch von privaten Schulen, die staatlich anerkannt sind.
Dafür sind wir zu klein im deutschen Theater-Ranking, als dass wir uns das erlauben können, diese nicht mit einzubeziehen. Und es ist auch Quatsch, diese weniger zu werten. Wir haben schon so tolle Schauspieler*innen von privaten Schulen bei uns gehabt!

Was wünschen Sie sich?
Von den formalen Kriterien ist Schlichtheit und Übersichtlichkeit am besten. D.h. Schnell die Kerndaten zu sehen: Ausbildung, an welcher Schule, die bisherigen Stationen, Telefonnummer und Foto.
Inhaltlich finden wir es besonders schön - da wir ja eine spezielle Theaterform sind und überwiegend im Gastspielbetrieb unterwegs sind - wenn Bewerber*innen wissen, auf was für eine Theaterform sie sich bewerben und auch dazu bereit sind.
Heißt: Viel Zeit im Bus zu verbringen mit vielen Übernachtungsabstechern. Bevor wir jemanden zum Bewerbungsgespräch einladen, telefonieren wir davor immer und erklären das ganz lange, um ganz fair zu sein und zu erfragen, ob jemand darauf auch wirklich Lust hat und es etwas ist, was einen wirklich interessieren könnte. Und da ist es natürlich hilfreich, wenn man das Gefühl hat: Da weiß jemand, was es ist.
Was auch gut zu wissen ist: Ob jemand sich als Gast, fest, oder mit dem Interesse an beidem bewirbt.

Was wünschen Sie sich nicht?
Man muss nicht übermäßig kreativ sein. Wir hatten schon Bewerbungen in Filmrollen, wo man umständlich ganz lange, dünne Zettelchen rausholen musste. Das sind dann zwar Bewerbungen, die im Gedächtnis bleiben, aber im Alltag eher nerven.

Antworten Sie auf Bewerbungen? Soll man nachfragen? Wenn ja, wie?
Es geht keine Spielzeit zu Ende, in der nicht alle Bewerbungen beantwortet werden. Es gibt 2 bis 3 Momente in der Spielzeit, in der wir Bewerbungen abarbeiten. Wahrscheinlich spätestens nach 3 bis 4 Monaten. Manchmal passiert es auch noch am selben Tag, je nachdem wie hoch der Arbeitsanfall ist.
Ich weiß, das klingt hart, aber es bringt keinen Vorteil und bringt nichts, wenn man nachfragt. Wenn jemand hier zum Vorsprechen war, dann melden wir uns sowieso und da sprechen wir natürlich auch alles ab, da kann man gerne auch mal nachfragen.
Wir bekommen dermaßen viele Bewerbungen, dass man eine neue Stelle schaffen müsste, wenn alle nachfragen würden. Da würde ich eher bitten davon abzusehen.

Haben Sie sonst noch Anregungen?
Ich weiß nicht, ob das immer noch so ausgeprägt ist, aber an manchen Schulen wird einem eingeimpft, dass es nur eine Handvoll große Theater in Deutschland gibt, an die man gehen kann und sollte. Ich bin davon überzeugt, dass auch an den kleineren und mittleren Theatern  sehr viel angenehmere und gerade für den Anfang künstlerisch spannendere Werdegänge möglich sind, weil man mehr und größere Rollen spielt.
Das ist vielleicht kein Tipp, aber ein Wunsch, dass eine größere Offenheit dahingehend entsteht. Weniger Druck bedeutet nicht weniger Kreativität oder künstlerischer Wille. Im Gegenteil. Es bedeutet mehr Freiheit.

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