Wochenrückblick #29/19

Bessere Bedingungen und böse Überraschungen

20.07.2019

Theater Ulm, Foto: G8w [CC BY-SA 3.0]

Theater Ulm, Foto: G8w [CC BY-SA 3.0]

Es gibt mehr Geld für freie Musikensembles und einen millionenschweren Anbau für das Theater Ulm. Das Theater Konstanz muss seinen Spielplan ändern und dem Ballett in Düsseldorf stehen teure Vertragskomplikationen ins Haus.

Zunächst einmal zu den guten Nachrichten, den Verbesserungen: Das Land Nordrhein-Westfalen hat beschlossen, in den nächsten drei Jahren mehr als 20 freie Musikensembles finanziell zu fördern. Die ausgewählten professionellen Musikgruppen spielen alte und neue Musik, Jazz und Improvisation. Die Förderung startet noch in diesem Jahr. Und, noch besser: In den kommenden Jahren sollen dann jeweils weitere Ensembles mit einbezogen werden. Ausführliche Infos hat Deutschlandfunk.

Auch der Kanton Basel-Stadt wünscht sich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für das Orchester Basel. Deswegen ruft die Stadt nun eine Online-Plattform zum Buchen von Probenräumen ins Leben und stellt zusätzliche Probenräumlichkeiten zur Verfügung. Näheres dazu weiß die Badische Zeitung.

Mehr Raum auch für das Ulmer Theater: Im Gemeinderat hat man sich dort nach längeren Auseinandersetzungen auf einen Anbau inklusive Räume für das Kinder- und Jugendtheater geeinigt.  Mehr dazu bei der Augsburger Allgemeinen.

Keine guten Nachrichten diese Woche hingegen in Konstanz. Das Theater Konstanz muss nämlich um die Einhaltung seines Spielplans fürchten, da eines der Probengebäude derzeit einsturzgefährdet ist. Zusätzlich zur mangelnden Probenmöglichkeit kommt das Problem, dass man nicht an die im Gebäude eingelagerten Bühnenbilder kommt. Die Stadt Konstanz hat nun ein Gutachten beauftragt, bis zu dessen Abschluss die Räume nicht betreten werden dürfen, wodurch es zwangsläufig Änderungen im Spielplan geben wird. Weitere Informationen hat die SWP.

Schwierig ist auch die momentane Situation an der Deutschen Oper am Rhein: Der bisherige Ballettdirektor Martin Schläpfer, wird ans Staatsballett Wien wechseln. Demis Volpi wird seine Position ab 2020/21 übernehmen. Der Vertrag von Remus Sucheana, der bei Schläpfer Leiter der Ballettcompagnie wurde, läuft jedoch noch bis 2024. Volpi und Sucheana halten keine Zusammenarbeit miteinander für möglich. Sucheanas Vertrag ist allerdings unabhängig von dem Schläpfers. Das heißt, dass Sucheana, falls er kein anderes Engagement finden sollte, in dem entsprechenden Zeitraum weiterhin vollständig bezahlt werden muss, was die Oper bis zu 380.000 Euro kosten würde. Weiteres kann man bei RP Online erfahren.

Nachdem im vergangenen Jahr fünf Künstlerinnen in einem offenen Brief Gustav Kuhn, dem damaligen Leiter der Tiroler Festspiele Erl, sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch vorwarfen, sind die Vorwürfe nun von der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt bestätigt worden. Rechtliche Konsequenzen für Kuhn, der nach den Anschuldigungen beurlaubt wurde und später alle Ämter niederlegte, hat das allerdings (noch) nicht, da es sich nur um eine gutachterliche Feststellung handelt. In Erl denkt man nun darüber nach, einen Aufsichtsrat für die Festspiele zu gründen. Details dazu in der Tiroler Tageszeitung.

Die erste Förderrunde des Berliner Hauptstadtkulturfonds hat stattgefunden: Im Jahr 2020 werden 47 Projekte bezuschusst, die höchste Förderung erhält die Compagnie Sasha Waltz and Guests. Hier die Pressemitteilung mit allen geförderten Projekten als PDF.
 

Menschen

Seit 2012 ist Reinhardt Friese Intendant am Theater Hof und wird es - nach einer entsprechenden Vertragsverlängerung diese Woche - auch noch bis mindestens 2024 bleiben. Näheres dazu bei Infranken

Auch Ivan Repusic bleibt Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters. Ein entsprechender Vertrag, der bis 2023 läuft, wurde diese Woche unterzeichnet. Musik heute hat weitere Details.

Regisseur und Dramaturg Hagen Müller-Stahl ist im Alter von 92 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Müller-Stahl arbeitete u.a. am Theater am Schiffbauerdamm, an der Schaubühne am Halleschen Ufer, dem Nationaltheater Mannheim und als Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel. Außerdem leitete der Bruder von Armin Müller-Stahl über zehn Jahre lang die Schauspielabteilung der UdK Berlin. Die SZ erinnert an ihn.

Die Schweizer Theatermacherin Vania Luraschi verstarb im Alter von 71 Jahren. Luraschi beeinflusste die Theaterszene im Tessin nachhaltig, vor allem auch im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters. Im vergangenen Jahr hatte sie den Schweizer Theaterpreis erhalten. SRF Online schreibt einen Nachruf.

Organisationen

Alle News