Wochenrückblick #12/19

Der Umgang miteinander

24.03.2019

Foto: Anemone123 auf Pixabay

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Auf der Bühne macht sich die Darstellung von Krisen, Systemfehlern und Ungleichbehandlungen gut – im Betrieb selber möchte man sie jedoch eigentlich lieber vermeiden. Das war in der vergangenen Woche in der deutschen Theaterlandschaft jedoch nicht immer möglich.

Die Krise am Staatstheater Schwerin geht in die nächste Runde. Einem offener Brief, in welchem sich ein Teil der Mitarbeiter bereits im November 2018 gegen Intendant Tietje stellte, folgte die Verkündung eines Fünf-Punkte-Plans zur Verbesserung der Gesamtsituation. Eine am Freitag verschickte Pressemitteilung des Schauspiel-Ensembles und des Staatsorchesters legt jedoch nahe, dass von einer sofortigen Umsetzung der versprochenen Sofortmaßnahmen keine Rede sein kann – von lähmendem Stillstand und zerrüttetem Vertrauen ist die Rede, von einer Verbesserung des Betriebsklimas sei nicht in Sicht. Die Forderung ist klar: Das Land solle Verantwortung übernehmen für das Mecklenburgische Staatstheater und endlich öffentlich ein Auslaufen von Tietjes Intendanz 2021 zusagen. Bis dahin empfehlen die Mitarbeiter*innen den Einsatz einer Interimsintendanz.

Mit einem ganz anderen Personalproblem musste sich die Theaterwerkstatt Hannover im Februar herumschlagen. Dort sollte ein Gastspiel einer ägyptischen Theatergruppe stattfinden, zwei von vier Künstlern wurde jedoch die Einreise verweigert – mangels einer „positiven Rückkehrprognose“, berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Ob es sich dabei um einen von vielen Einzelfällen handelt oder ob die Visa-Restriktionen für ausländische Künstler*innen mit System betrieben werden, möchte nun das Deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts, kurz ITI, mit einer Umfrage herausfinden. Diese läuft seit dem 21. März 2019 - wir sagen: Bitte mitmachen!

Zu hoffen ist, dass die Teilnehmer*innen des neuen multinationalen Künstleraufenthaltsprogramms „Be mobile – Create together!“ des Europäischen Zentrum der Künste Hellerau nicht von derartigen Restriktionen betroffen sind. In insgesamt zwölf Residenzen in der Türkei, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland werden Kunstschaffende aus ebenjenen Ländern wechselseitig aufgenommen, um einen Austausch und einen tieferen Einblick in die lokale Kunstszene zu ermöglichen.

Der Equal Pay Day am 18. März 2019 hat auch die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern im Theaterbetrieb wieder ins sprichwörtliche Rampenlicht rücken lassen. Marc Grandmontagne, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenverein, resümiert die Lage im Deutschlandfunk.
 

Menschen

Die Rubrik „Menschen“ wird diesmal freilich von Frauen dominiert, die größte mediale Resonanz bekam jedoch ein Mann: Jens Harzer, seines Zeichens Schauspieler am Thalia-Theater, ist als der neue Träger des Iffland-Rings bekannt gegeben worden und tritt damit die Nachfolge von Bruno Ganz an, weiß auch der Spiegel.

Diejenigen, die gehofft hatten, dass Bruno Ganz eine Frau als Nachfolgerin benennen würde, wurden enttäuscht. Jenseits ruhmreicher Traditionen gibt es im ganz praktischen Theaterbetrieb hingegen einige neue weibliche Führungskräfte.

So ist Susanne Keuchel zur neuen Kulturrat-Präsidentin ernannt worden, schreibt die Neue Musikzeitung. Yvette Gerner ist die neue Intendantin von Radio Bremen, wie der Weser-Kurier berichtet, während Christina Scheppelmann den Kontinent wechselt und die Intendanz der Oper Seattle übernimmt, weiß der SWR.

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