Wochenrückblick #27

Die Sommerpause rückt näher

07.07.2018

Cats, erschaffen von Gillian Lynne

Während draußen der Sommer die Waldbrandgefahr steigen lässt, wird es im Theater ruhiger. Sollte man annehmen. Diese Woche haben wir Zensur, Stellenabbau, große Bauten und Liebe im Wochenrückblick.

„Schleichende Orbanisierung“: Beim Sommertheater in Schwechat, Österreich versucht sich ein FPÖ-Gemeinderat in Zensur
Für die Inszenierung von Nestroys „Zu ebener Erde und erster Stock“ schrieb der Intendant ein paar aktuelle Verse, die schon in der Generalprobe für Unmut unter den anwesenden FPÖ-Gemeinderäten sorgten. Am Tag drauf schrieb dann der FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Zistler an die Niederösterreichischen Nachrichten, er fordere eine Entschuldigung des Veranstalters und eine sofortige Streichung der für ihn anstößigen Verse. Andernfalls werde die FPÖ Schwechat zukünftig keinen Geldern mehr für das Theater zustimmen. Die Verse finden sich hier, der Bericht im Standard hier.

Vorpommern: Keine Kündigung trotz Abbau von 30 Stellen
Nachdem die Fusion zwischen dem Theater Vorpommern und der Theater und Orchester GmbH in Neubrandenburg und Neustrelitz vom Tisch ist, ist jetzt auch klar, dass es keine Kündigungen geben soll. Zwar sollen durch eine Kooperation der beiden Theater 30 Stellen eingespart werden, aber der Stralsunder Oberbürgermeister Badrow machte laut Bericht der Ostsee-Zeitung deutlich, dass diese „sukzessive und nur durch Renteneintritte und Wegzüge“ abgebaut werden sollen. Hier der Bericht.

Schwäbische Alb versus Augsburg: Zweimal Theatersanierung
Schon vor zwei Jahren hat das Theater Augsburg das Große Haus für den Publikumsverkehr gesperrt. Noch bis 2023 wird die Brecht-Bühne samt Bühnenturm, Werkstätten und Bürogebäude saniert. Das Verkehrskonzept des ganzen Viertels ist betroffen. Rund 200 Millionen Euro sind als Kosten angesetzt. Der Projektleiter ist optimistisch, dass diese Zahl zu halten ist. Hier der aktuelle Bericht der Augsburger Allgemeinen.
In Burladingen auf der Schwäbischen Alb rechnen sie mit anderen Zahlen: Das einzige deutsche Regionaltheater, der Lindenhof, wird gerade mit 2,45 Millionen Euro saniert. Hier werden der Zuschauerraum, das Foyer, Verwaltungsräume und Probenräume seit Beginn der Sommerpause überarbeitet. Bereits im Dezember diesen Jahres soll das Große Haus wieder bezogen werden. Von Land, Landkreisen und Stadt wurden die Mittel zu einem großen Teil zusammengebracht, aber 700.000€ fehlen noch. Die versucht das Theater nun über verschiedene Aktionen wie zum Beispiel die Patenschaft für eine Treppenstufe in Foyer zu schließen. Hier der Bericht des Schwarzwälder Boten.
 
Karrieren und Menschen:

Cottbus: René Serge Mund wird Interimsintendant des Staatstheater Cottbus. Gleichzeitig wird er als Verwaltungsdirektor berufen. Als solcher soll er bis zur Berufung des*der neuen Intendanten*in alle Aufgaben übernehmen. Bei der als zügig angekündigten Neubesetzung soll besonders auf „Teamfähigkeit“ geachtet werden, berichtet nachtkritik. Der bisherige Generalintendant Martin Schüler war im April nach Auseinandersetzungen mit seinem Generalmusikdirektor Evan Christ zurückgetreten. Letzterer hat gerade im laufenden Zivilstreit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber dem Staatstheater Cottbus in einer Güteverhandlung keine Einigung erzielen können. Mehr Infos dazu hier in der MOZ.

Konzert Theater Bern: Stephan Märki tritt in gegenseitigem Einvernehmen als Intendant des Hauses zurück. Er zieht damit die Konsequenz daraus, dass sich „seit Frühjahr 2017 eine Beziehung zu einer Führungsperson im Theater entwickelt“ habe, wie es in der Pressemitteilung heißt. Das sei unvereinbar mit einer „vorbildlichen Governance“. Die nächste Premiere in diesem Theater trägt übrigens den Titel „Love Life“ und feiert am 31.August Premiere. Der Bund hat die Details.

Choreografin Gillian Lynne ist tot: Sie schuf die unvergessenen Choreografien für Cats und Phantom der Oper. Mit 92 Jahren ist die ehemalige Ballerina in London gestorben. Spiegel Online widmet ihr einen Nachruf.
 
Was wir diese Woche völlig ignorieren: Dass alte Männer nach ihrer Versetzung in den Vorruhestand immer noch in Interviews Stammtischparolen über Frauen und Fußball oder ähnliches verbreiten. Dazu etwas Musik...
 
 

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