Wochenrückblick #32/19

Festivals und Diktaturen

10.08.2019

Foto: Klaus [CC BY-SA 3.0]

Foto: Klaus [CC BY-SA 3.0]

Weltweit hat diese Woche ein Festival nach dem anderen seine Pforten geöffnet, Teilnehmerinnen und Besucher auch von außerhalb strömen zu den Events – wenn sie nicht durch Restriktionen, Verbote oder sogar Festsetzung daran gehindert werden.

Strategische politische Aktionen totalitärer Regimes haben in den letzten Tagen auch Film- und Theaterschaffende betroffen: Die Einen dürfen nicht rein, die Anderen dürfen nicht raus, und die Gründe dafür sind nicht bei den Künstlerinnen und Künstlern selbst zu suchen.

So wurde der Intendant des Hamburger Mut! Theaters Mahmut Canbay am Donnerstag Nachmittag bei seiner Einreise in die Türkei am Flughafen verhaftet, festgehalten, bedroht und acht Stunden lang verhört. Als Begründung wurde angegeben, von ihm gehe Terrorgefahr aus. Canbay wollte mit einer Jugendgruppe des Mut! Theaters wie jedes Jahr an einem Theaterfestival im westtürkischen Izmir teilnehmen; stattdessen wurde er am Donnerstag Abend nach Deutschland zurückgeschickt und ein zukünftiges Einreiseverbot gegen ihn verhängt, berichtet unter anderem die Tagesschau.

In China ist derweil sämtlichen Schauspielern und Filmemacherinnen pauschal durch die Regierung untersagt worden, zum renommierten Filmfestival um die Verleihung der "Golden Horse Awards" im November nach Taiwan zu reisen. Laut Deutschlandfunk wird vermutet, dass die Aktion den Druck auf das unabhängige Taiwan erhöhen soll.

Ohne Probleme liefen die Eröffnungen zweier Theaterfestivals im deutschsprachigen Raum ab: Am Mittwoch begann das alljährliche internationale Kampnagel-Sommerfestival in Hamburg, einen guten Überblick über Rahmen und Programm gibt die Süddeutsche.

Zudem eröffnete gestern das Hin & Weg Festival im österreichischen Litschau, wie auch Der Standard weiß; die in Litschau anwesende Autorin dieses Wochenrückblicks freut sich, selbstverständlich in eigener Sache, wenn sich ihr spontan noch jemand anschließt und die Lesungen ihres Stückes mit ihr besucht. :-)

Darüber hinaus gibt es einen Wasserschaden im Ticketshop der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf zu erwähnen, der die Verkaufsstelle vorerst lahmlegt, aber trotz aller unguten Assoziationen mit dem umfangreichen Wasserschaden am Schauspiel Duisburg im April den Spielbetrieb nicht behindert. Mehr erfahren wir aus der NRZ.


Menschen

Über Hollywoodprominenz wird in dieser Kategorie eher selten berichtet, der Besuch von Schauspieler Richard Gere auf dem Rettungsschiff "Open Arms", welches seit über einer Woche im Mittelmeer auf der Suche nach einem sicheren Hafen ist, ist jedoch durchaus eine Erwähnung wert, findet auch die WELT.

Von personeller Seite gibt es in der deutschen Theaterlandschaft nicht viel zu berichten; bekannt wurde in den vergangenen Tagen lediglich ein Personalwechsel im Württembergischen Kammerorchester Heilbronn: Intendantin Madeleine Landlinger verlässt das Haus 2020, so die Heilbronner Stimme.

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