Wochenrückblick #39

Flaneure

29.09.2018

Theaterhelden auf die Straße! Kein Geld in Niedersachsen, Geld in Rheinland-Pfalz. Das gleicht sich schon aus? Irrtum! Außerdem im Rückblick der Woche: karussellfahrende Intendant*innen und andere Personalentscheidungen aus Stadt und Land - und Preisregen in der Republik.

Ein kleiner Spaziergang durch die neuere Theater- und Musikgeschichte gefällig? In Bochum darf man bald auf der Peter Zadek Straße flanieren, weiß nachtkritik, den Otto Sander Platz gibt es dort ja bereits, und in Berlin denkt „Die Linke“ laut darüber nach, einen Teil des Mariannenplatzes nach Rio Reiser zu benennen und der Tagesspiegel berichtet. Wer genug vom Laufen hat, fliegt – allerdings sollte man auf alles gefasst sein: In Genf kam es zu einem spontanen Ständchen am Gate, weil ein Flugzeug Verspätung hatte. Den erzwungenen Aufenthalt nutzten Musiker*innen der Camerata Léman für ein bisschen Promotion. Viel Spaß!

Sollte man dann doch bis nach New York gekommen sein - und die Aufmerksamkeit strikt auf die Kultur richten, weil alles andere gar zu schrecklich ist - erfreut die Nachricht, dass selbst die New York Philharmonic den weiblichen Mitgliedern als Dienstkleidung seit dieser Saison Hosen erlauben und die Damen nicht mehr ausschließlich nur im Rock auftreten müssen. So berichtet in Deutschland die NWZ online.

Aber zurück in die deutschen Niederungen. In Niedersachsen fehlen im Kulturetat relativ unerwartet 6 Mio Euro für die kommunalen Theater. Waren diese Mittel zunächst als Ausgleich für Versäumnisse der vergangenen Jahre versprochen worden, stehen nun die unter den Tarifsteigerungen ächzenden Landestheater im Regen. Auf Initiative des DT Göttingen wurde jetzt eine Petition gestartet um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Am 24. Oktober soll in Hannover die Petition übergeben werden. Ein Pressebericht findet sich hier.
Zur Petition, da lang!

In Rheinland-Pfalz scheint die Politik die Bedeutung von Kulturförderung klarer zu erkennen. Das Land und die Stadt Mainz haben sich darauf geeinigt, 1,6 Millionen Euro zusätzliche Gelder für das Staatstheater Mainz zu gleichen Teilen zu tragen. „Das Staatstheater übernimmt als kultureller Leuchtturm mit bundesweiter Strahlkraft eine besondere Rolle in der rheinland-pfälzischen Kulturlandschaft. Mit dieser Vereinbarung kommen wir als Land unserer Verantwortung für das Staatstheater Mainz nach.“ sagt Kultusminister Konrad Wolf. Die ganze Nachricht in der Pressemitteilung des Ministeriums

In Bern bricht sich ein Streit um die Werktreue bahn, den man sonst nur von den Brecht-Erben gewohnt ist. Die Witwe des österreichischen Musikers Georg Kreisler intervenierte, weil das Theater dem Ein-Mann-Musical „Adam Schaf hat Angst“ einige Songs hinzufügen wollte. Daraufhin musste die gesamte Produktion gestrichen werden und hinterlässt auch einen reichlich ratlosen Verleger. In der Pressemitteilung teilt der Verlag Stück Gut mit: „Mit großer Betroffenheit haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Frau Barbara Kreisler-Peters offensichtlich darum bemüht ist, aus nicht nachvollziehbaren Gründen Irritationen zu verursachen und Aufführungen des Werkes ADAM SCHAF HAT ANGST (..), nur in einer Fassung durchzusetzen, die weder durch irgendeine Verfügung Georg Kreislers noch durch künstlerische Notwendigkeiten gedeckt ist.Der Bund berichtet.


Karrieren
Hier wird der Begriff des Intendantenkarussells einmal wirklich greifbar. Weil der Kurator Christophe Slagmuylder zu den Wiener Festwochen wechselte, wurde die Programmleitung für Theater der Welt 2020 vakant und gleich dazu das Brüsseler Kunstenfestivaldesarts führungslos. Nun sind beide Posten nachbesetzt worden. Stefan Schmidtke wird Programmdirektor von Theater der Welt, berichtet der WDR,  das Kunstenfestivaldesarts übernimmt ein Führungstrio aus Sophie Alexandre, Daniel Blanga Gubbay und Dries Douibi weiß Le Soir

Daniel Huppert, derzeit GMD der Mecklenburgischen Staatstkapelle wird neuer GMD bei den Bergischen Symphonikern. Dem Orchester war in einem ersten Auswahlverfahren im Mai der Wunschkandidat Mihhail Gerts abhanden gekommen. Der Remschider Generalanzeiger meldet.

Journalistischer Ehrenkodex: Wortspiele mit Namen streng verboten! Die Intendantin Juliane Wandel hat nach nur einem Jahr auf eigenen Wunsch die Jenaer Philharmoniker und noch vor Spielzeitbeginn verlassen. Das Orchester muss nun innerhalb von drei Jahren schon die dritte Führungskraft suchen. MDR zieht Billanz.


Preise
Der Deutsche Tanzpreis geht dieses Jahr an das Staatstheater Nürnberg Goyo Montero hat das Ballett des Staatstheaters Nürnberg zu einem Ensemble herausragender Persönlichkeiten entwickeltargumentiert die Jury.

Nach der Theaterumfrage ist jetzt auch der Rückblick auf das Opernjahr 2018 erschienen. Die Kritikerumfrage der Opernwelt bringt Frankfurt - endlich (!) - die Krone für das Opernhaus des Jahres, die Staatsoper München feiert das Orchester des Jahres und in Stuttgart jubelt der Opernchor. Westdeutschland ist also gut vertreten, Berlin diesmal nicht so ganz. Alle Preisträger*innen hier.


Menschen
Ignaz Kirchner, prägender Mime an der Peymann'schen Burg, Darsteller in der SOKO Serie und Filmen wie „Männerpension“ und „Sonnenallee“ ist gestorben. Die Presse widmet ihm einen Nachruf

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