Wochenrückblick #26/19

Heiße Debatten

29.06.2019

...nur deutsche Bezeichnungen!, public domain

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Ein Sommerloch entstand in den Theaterbetrieben in der vergangenen Woche höchstens durch Vorstellungsausfälle aufgrund der Hitzewelle. Ansonsten ging es heiß her: Gerade im Bereich kulturpolitischer Entscheidungen wurde heftig diskutiert und protestiert.

Wer es nicht aus den Zeitungen erfahren hat, hat es womöglich aus der E-Mail der GDBA erfahren, welche am Mittwoch an sämtliche Mitglieder verschickt wurde: Das Land Niedersachsen plant laut der Gewerkschaft Ver.di, ab 2020 keine Tarifsteigerungen an kommunalen Theatern mehr zu übernehmen. Dies bedeutet herbe Löcher in der Finanzierung der niedersächsischen Theater, wogegen Theaterschaffende seit Tagen in verschiedenster Weise protestieren, wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet. Die Entscheidung fällt am kommenden Montag.

Auch in Stuttgart gehen Kulturschaffende auf die Straße, wenn auch aus ganz anderen Gründen: In einer Landtagsanfrage hatte die AfD gefordert, die Nationalitäten von in staatlichen Kulturinstitutionen beschäftigten Künstler*innen offenzulegen. Die am Samstag stattfindenden Proteste sind durch ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Kulturschaffenden und politischen Fraktionen getragen, so die Stuttgarter Zeitung.

Auch eine wichtige Personalentscheidung ist im deutschsprachigen Theaterbetrieb diese Woche durch Proteste gekippt worden: In einem offenen Brief hatten sich Angehörige des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters Anfang der Woche gegen die Berufung Rolf Petersens zum Schauspieldirektor der neuen Intendantin Ute Lemm gestellt, welche ihren Posten in der Spielzeit 2020/21 antritt. Ende der Woche bat Petersen nun selbst um die Auflösung seines Vertrags, wie aus den Kieler Nachrichten zu erfahren.

Fast ist man diese Nachricht von der den Kölner Bühnen schon gewohnt: Sanierung und Neubau von Schauspiel und Oper dauern noch länger, die Kosten steigen noch weiter, berichtet der WDR. Eigentlich war die erste Premiere für 2015 geplant, nun verschiebt sie sich auf das Jahr 2023.

In Hamburg wurden am vergangenen Sonntag die Monica-Bleibtreu-Preise im Rahmen der bundesweiten Privattheatertage verliehen. Die Preisträger der unterschiedlichen Kategorien verrät uns die Süddeutsche Zeitung.

Und die eingangs erwähnten Vorstellungsausfälle aufgrund der Hitze gab es tatsächlich, zumindest am Theater Rudolstadt, wie in der WELT zu lesen ist. Wir dürfen gespannt bleiben, ob weitere deutsche Theater diesem Beispiel vor der Sommerpause folgen – die Wettervorhersage für die nächste Woche verspricht jedenfalls deutlich mildere Temperaturen.
 

Menschen

Dominique Meyer, derzeit Intendant der Wiener Staatsoper, wechselt Mitte 2020 an die Mailänder Scala, so berichtet der Focus.

Ein weiterer Intendantenwechsel vollzieht sich an der Oper Leipzig, wo ab der Spielzeit 2022/23 Tobias Wolff voraussichtlich die Leitung übernehmen soll. Dies teilte die Leipziger Stadtverwaltung laut mdr am Dienstag mit.

Auch das Renaissancetheater in Berlin bekommt mit Guntbert Warns einen neuen Intendanten, so der Tagesspiegel.

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