Wochenrückblick #10

Is it a man's world?

09.03.2018

F.C. Neuber - die Neuberin - aus dem Theater Almanach 1898

F.C. Neuber - die Neuberin - aus dem Theater Almanach 1898

Diese Woche war Weltfrauentag! Viele haben die Gelegenheit genutzt, um darauf aufmerksam zu machen, dass Glückwünsche nicht reichen und auch an den restlichen Tagen des Jahres eine Menge zu tun ist. Kein Wunder, schließlich wurde erst vor 100 Jahres das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt.

2018 befindet sich der Anteil der Frauen im Bundestag auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren und die Strukturdebatten des Theaters drehen sich (endlich) auch um Sexismus. Dies haben sich auch einige Theater zu Herzen genommen. So legte z.B. das Theater Oberhausen "8. März - ein Minifestival" zum internationalen Frauentag auf.

Passenderweise traf sich diese Woche auch die Arbeitsgruppe Geschlechtergerechtigkeit und Frauen in Führungspositionen des Deutschen Bühnenvereins am 6.3. in Berlin. Laut PM ist das Ziel: Ein umfassender Kulturwandel, der durch konkrete Maßnahmen durchgesetzt werden soll. Hierzu zählen u.a. eine neutrale Beratungsmöglichkeit für Betroffene sexueller Belästigung und Diskriminierung, verbesserte Weiterbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen sowohl für Führungskräfte als auch Belegschaft, vor allem in Bezug auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz und die Entwicklung eines Verhaltens- und Wertekodex für ein angstfreies und gleichberechtigtes Miteinander. Letzteres soll die Form einer freiwilligen Selbstverpflichtung annehmen, die offen ist für Ergänzungen. Also, liebe Theater: Mit angepackt! Der Prozess wird von Charlotte Sieben, Präsidiumsmitglied Deutscher Bühnenverein und Kaufmännische Geschäftsführerin Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH moderiert.

Zwar ist die Auswahl der zwei großen Dramatik-Preise noch nicht super-paritätisch, aber die Richtung ist schonmal gut. Für den Heidelberger Stückemarkt 2018 sind nominiert: Esther Becker mit "Wildbestand", Carsten Brandau mit "Ortsgruppenleiter von Istanbul", Leon Engler mit "Die Benennung der Tiere", Sören Hornung mit "Sieben Geister", Rinus Silzles "Legal Highs" und Ulrike Syhas "Drift". Für den NachSpielPreis sind immerhin drei Regisseurinnen und zwei Autor*innen vertreten. Gastland des diesjährigen Stückemarktes ist Südkorea.

Und auch der Stückemarkt der Berliner Festspiele hat per PM gesprochen: Wie auf der Website des Festivals zu lesen ist, sind dieses Jahr wieder sowohl Texte als auch Projekte dabei: "Amsterdam" von Maya Arad Yasur (Israel / Niederlande), "Die Benennung der Tiere" von Leon Engler (Österreich – Text), "Exodus" von Li Lorian (Israel / Deutschland), "Fresque" von Old Masters (Schweiz), "Böse Häuser" von Turbo Pascal (Deutschland), "1 yottabyte leben" von Olivia Wenzel (Deutschland)

Der WDR verkündet freudig: Um insgesamt 30 Millionen erhöht das Land NRW seinen Zuschuss an die kommunalen Theater. Zwei Drittel der zusätzlchen Gelder gehen als Basisförderung an die Theater und Orchester, die restlichen 10 Millionen stehen über einen Wettbewerb für künstlerische Vorhaben zur Verfügung. Als nächstes stehe für Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen die Neuordnung der Förderung für die Freie Szene und die Soziokultur auf dem Programm. Nebenbei bemerkt ist das Land NRW dasjenige mit dem geringsten Kulturförderung in der gesamten Bundesrepublik. Während das Land Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise 2014 ca. 1% seines Haushalts für Kultur ausgab, waren es in NRW lediglich 0,5%, also die Hälfte. Es wird also Zeit...

Die Stage Entertainment sucht derweil laut Merkurist einen Standort für ein neues Musicaltheater in Frankfurt am Main. Geplant seien 1500 bis 1800 Sitzplätze und eine zentrale Lage bzw. gute Anbindung an die Innenstadt. Das Ziel sei, große Musicals, wie sie derzeit in Hamburg, Berlin und Stuttgart gezeigt werden auch nach Frankfurt zu bringen. Die Stadt unterstützt die Stage bei der Suche. Schade, dass die Stage Entertainment bei seinen laufenden Produktionen gleichzeitig spart, spart, spart - auf Kosten der Qualität und der MitarbeiterInnen.

Zeit zum doppelten Jubel: Nicht nur haben sich die Schweizer*innen am vergangenen Sonntag für ihren gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk entschieden, im Kanton St. Gallen fiel außerdem das Votum für eine Sanierung des Theaters St. Gallen positiv aus. Es werden nun 48,6 Millionen Franken in die Hand genommen, um das Haus zwichen 2020 und 2022 grundlegend zu erneuern. Details finden sich in der NZZ.

Und dann war da noch die Sache mit dem Ulmer Theaterlogo diese Woche. Die Nähe des Theaters zu seinen Bürger*innen habe man ausdrücken wollen, so Intendant Metzger. Nun löst der Spatz, Wappentier der Stadt, schon Diskussionen aus. "zu gegenständlich, zu plump, zu volkstümlich" fänden die Menschen das Logo laut SWP. Misst man hier nun das eine Mal der grafischen Gestaltung im öffentlichen Raum ihre rechtmäßige Bedeutung zu oder fühlt sich die Ulmer Hochschule für Gestaltung übergangen?

PERSONALIA

Das Theater Ansbach hat den Vertrag mit Intendantin Susanne Schulz nicht verlängert. Trotz des Lobes für Schulz Arbeit, ist sich die Genossenschaft des Theaters sicher, dass Schulz Zukunftspläne im Rahmen der zur Verfügung stehenden Finanzen nicht durchführbar sind. Die Intendantin verspricht dennoch, "in den verbleibenden zweieinhalb Jahren mit voller Kraft weiterhin tolles Theater" zu machen. Mehr gibt es beim BR zu lesen.

Für André Nicke geht es ein Treppchen hoch: der aktuelle Schauspieldirektor der Uckermärkischen Bühnen Schwedt wird ab September 2019 Intendant und folgt Reinhard Simon nach, wie der Nordkurier berichtet.

MENSCHEN

Wir mussten diese Woche Abschied nehmen von Trude Ackermann. Am 4. März verstarb die Schauspielerin im Alter von 93 Jahren in ihrer Heimat Wien, wo sie über 40 Jahre dem Burgtheater verbunden war. Ein kurzer Nachruf findet sich auf derStandard.at

[MT]

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