Wochenrückblick #3/19

Kürzungen und Querelen

19.01.2019

Festspielhaus Recklinghausen

In der dritten Januarwoche geht’s vor allem um Streit: Vor Gericht wird er final ausgefochten, im offenen Brief seine Versöhnung eingeklagt und im Kampf gegen Rechts auf Strukturen hingewiesen, denen man sich anschließen kann, um Streitsuchenden was entgegenzusetzen. Wie schön, dass es auch noch die Nachricht einer bislang harmonisch ablaufenden Sanierung gibt.

An den Bühnen Halle hat sich der Streit zwischen Geschäftsführer Stefan Rosinski auf der einen, sowie dem Intendanten des Jungen Theaters Matthias Brenner und Opernintendant Florian Lutz auf der anderen Seite zugespitzt. Letztere machten bereits im Dezember ihre Vertragsverlängerung von der Personalie Rosinski abhängig und forderten dessen Weggang. In einem offenen Brief, der von den Münchner Kammerspielen initiiert wurde, fordern nun mehr als dreißig Kulturschaffende Oberbürgermeister, Aufsichtsrat und Kulturminister dazu auf, die künstlerische Arbeit der Intendanten zu unterstützen. Der MDR berichtet.

Die Ruhrfestspiele werden 2019 um eine Woche gekürzt. Grund ist der Ausstieg eines der Hauptsponsoren Evonik, der bereits vor der Ernennung von Intendant Kröck feststand. Der Chemiekonzern aus Essen will Kosten einsparen und begründet seine Entscheidung darüberhinaus mit einer neuen Schwerpunktsetzung seiner Fördermaßnahmen. In der Migrationsgesellschaft seien Fragen der Integration, die Beschäftigung mit Rassismus und Antisemitismus die gegenwärtigen Herausforderungen. Kultur könne nur ein Baustein unter vielen sein, um sich mit diesen zu beschäftigen. Statt sechs Millionen Euro stehen Kröck nun nur fünf zur Verfügung. Die Kürzungen schlagen sich auch inhaltlich nieder, wie der Intendant im Interview mit der WAZ ausführt.

Das Schlosstheater im Neuen Palais wird saniert. Der Bund hat ein Sonderinvestitionsprogramm bereitgestellt, das nicht nur die Länder Berlin und Brandenburg unterstützt. 60 Millionen sollen bis 2030 zur Rettung sanierungsbedürftiger nationaler Kulturgüter eingesetzt werden. Das Schlosstheater ist eines von sechzig Projekten, denen die Finanzspritze des Bundes zugute kommt, schreibt die Berliner Morgenpost.

Der frühere Geschäftsführer des Füssener Festspielhauses ist vom Amtsgericht Augsburg wegen vorsätzlicher Pflichtverletzung in mehreren Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Insgesamt verursachte er einen Schaden von 30 000 Euro, indem er zwei Jahre zu spät Insolvenz beantragte und weiterhin Waren und Dienstleistungen für das Musiktheater am Forggensee bezog. Es ist bereits das dritte Insolvenzverfahren der Bühne seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt, wie die Süddeutsche berichtet.

Der deutsche Bühnenverein will die Theater gegen Rechts stärken. Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon beklagt gegenüber der dpa zunehmende Angriffe von Rechten auf die Theater. Neben dem Stören von Vorstellungen würden auch der parlamentarische sowie der Gerichtsweg eingeschlagen. Auch Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, hat diese Form rechter Agitation bereits kennengelernt: Die inzwischen vom Verfassungsschutz zum Prüffall erklärte Partei AfD hat sie bereits 2014 wegen angeblicher Schlepperei und des scheinbaren Verstoßes gegen das Ausländergesetz angezeigt, als auf dem Kampnagel-Gelände eine Kunstaktion stattfand, in deren Kontext Geflüchteten Schutz gewährt wurde. Bereits 2017 hat sich als Gegenbewegung auf die Attacken von Rechts der Verein „Die Vielen“ gegründet, der sich in regionalen Erklärungen für eine plurale Gesellschaft einsetzt. Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Dresden sind bereits Teil der Initiative. Amelie Deufelhard ist Koordinatorin des Vereins in Hamburg. Der BR hat Details.

Auszeichnungen

Der Berliner Theaterpreis geht in diesem Jahr an She She Pop. Das 1993 in Gießen gegründete Performancekollektiv wird für seine populären Arbeiten ausgezeichnet, die nicht nur die Praxis der kollektiven Autorenschaft weiter etabliert hätten, sondern darüber hinaus eine solidarische Arbeitspraxis, einen feministischen Gegenentwurf zu den Strukturen der Stadttheater. Die Jury bestand aus Eva Behrendt, Prof. Michael Börgerding, Dr. Thomas Oberender mit Yvonne Büdenhölzer. Mehr dazu auf der Website der Stiftung Preußische Seehandlung.

Franz Rogowski erhält den Ulrich-Wildgruber-Preis. Michael Behrend übergibt ihn am 20. Januar im St. Pauli Theater, die Laudatio hält Schauspieler Christian Löber. Das Theater informiert auf seiner Website.

Fabienne Dür wird Stipendiatin am Mainfranken-Theater Würzburg. Das Leonhard-Frank-Stipendium ermöglicht eine einjährige Stückentwicklung und bindet die 26-jährige Autorin für diesen Zeitraum enger ans Haus. Der Bayerische Rundfunk berichtet.

Menschen

Die Künstlerin Alana Lockward ist am 7. Januar 2019 im Alter von 57 Jahren verstorben. Das Maxim Gorki trauert um eine Schriftstellerin, Journalistin, Kuratorin und Filmemacherin, mit der es sich künstlerisch eng verbunden fühlt.

Ulrich Mokrusch bleibt bis 2025 Intendant am Stadttheater Bremerhaven. Somit wird sein Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Während seiner achtjährigen Intendanz wurde das Theater mehrfach ausgezeichnet. Mehr dazu bei Buten und Binnen.

Zum Schluss: Der Preis für den theatralischsten Auftritt der Woche geht an den Speaker John Berkow, den Sprecher der Commons, der im Rahmen der letzten Brexit-Abstimmung im Parlament für Ordnung sorgen durfte. Oder es zumindest versuchte...

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