Wochenrückblick #37/19

Machen wir uns sichtbar!

15.09.2019

Die drei Affen von Nikko Toshu, Foto: Jakub Hałun [CC BY-SA 4.0]

Die drei Affen von Nikko Toshu, Foto: Jakub Hałun [CC BY-SA 4.0]

Die Feuilleton-Seiten sind zwar keineswegs gähnend leer im Monat der Spielzeiteröffnungen, jenseits von Kritiken sind die Themenfelder jedoch beschränkt. Um unseren Wochenrückblick nicht ebenfalls dieser Beschränktheit zu unterwerfen, widmen wir uns neben den wenigen aktuellen Geschehnissen auch der Frage nach Relevanz und Sichtbarkeit von Themen innerhalb eines Theaterbetriebs.

Aber zunächst einmal: Der Deutsche Schauspielpreis ist wie geplant verliehen worden, auch wenn dieser den Film stärker tangiert als die Bühnen, und unter den Preisträgern sind einige bekannte Namen, denen man die Auszeichnung auch gönnen möchte. Ausführlich berichtet hier der Tagesspiegel.

Eine kleine Kontroverse hat die letzte Woche ebenfalls zu bieten, und zwar in Bezug auf die Oper "Königin von Sabah", die in Klosterneuburg vor der sakralen Kulisse des Augustiner-Stifts zu einer ihrer seltenen Premieren kam. Geplant war sie als Friedensoper zum Nahost-Konflikt, behindert wurde das Vorhaben durch die Vertreter des Stifts selber, die einerseits ihre Räumlichkeiten in Gefahr sahen, weil im Rahmen der Inszenierung Kinder auf Kirchenbänken stehen sollten, sich andererseits aber auch an den Inhalten und der Ästhetik störten. Namentlich ging es hier um einen dreißig Zentimeter langen goldenen Dildo. Was genau dieser mit dem Nahost-Konflikt zu tun hat, lesen wir beim BR.

Den News-Teil dürfen wir mit einer guten Nachricht schließen: Das Duisburger Theater, welches im Frühjahr durch seine eigene Sprinkleranlage einen enormen Wasserschaden erlitten hatte, ist mit der neuen Spielzeit wieder bespielbar, wenn auch nicht vollständig wiederhergestellt, n-tv berichtet.


Menschen

Markus Fein, bisheriger Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, verlässt selbige und wird stattdessen Intendant der Alten Oper in Frankfurt, wie die FAZ berichtet.

An der Bayerischen Staatsoper hingegen bleibt einiges, wie es ist; genauer gesagt bleibt Ballettdirektor Igor Selenski weitere fünf Jahre im Amt, wie auch bei t-online zu finden.

Währenddessen gibt es Nachrichten aus Hollywood, die sich ausnahmsweise weder auf einen Todesfall noch auf eine Charityveranstaltung beziehen: Schauspielerin Felicity Huffman ist zu einer zweiwöchigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Zuvor hatte sie Schmiergelder gezahlt, um ihre Tochter an den Elite-Universitäten des Landes unterzubringen.
 

Gedanken

An dieser Stelle könnte über politische Aktionen von Theaterschaffenden berichtet werden, über mutige neue Organisationsstrukturen und aufbegehrende Ensembles, über Relevanz nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne. Denn dass es an Relevanz auf der Bühne nicht mangelt, diagnostiziert zumindest Christoph Nix in seinem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung vom Freitag, und da kann man ihm durchaus folgen: Irgendwie wissen wir alle, was wichtig ist, und irgendwie haben wir auch eine Vorstellung davon, wie wir es auf die Bühne bringen.

Hinter der Bühne wird der Mangel jedoch häufig umso deutlicher. Dies mag, wenn wir Nix weiterhin folgen wollen, mit angepasstem, ängstlichem Personal und den entsprechenden Personalentscheidungen zu tun haben. Wenn wir aber die Annahme zugrunde legen, dass die mutigsten Menschen eben doch nicht immer die lautesten sein müssen, können wir davon ausgehen, dass viele interessante und mutige Aktionen schlicht unsichtbar bleiben; denn die Kapazitäten reichen nicht immer aus, um den eigenen Einsatz auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Deshalb ein ambitioniertes Vorhaben zum Start in die neue Spielzeit: Machen wir uns sichtbar und verhelfen wir denjenigen zur Sichtbarkeit, die auf unserer Seite sind. Dann sind auch die Wochenrückblicke bald wieder besser gefüllt.

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