Wochenrückblick #33/19

MeToo erreicht die Oper

18.08.2019

Plácido Domingo, Foto: Elekes Andor [CC BY-SA 4.0]

Plácido Domingo, Foto: Elekes Andor [CC BY-SA 4.0]

Machtmissbrauch und sexistische Strukturen waren in jedem Bereich der darstellenden Künste in den letzten Jahrzehnten gang und gäbe, öffentlich und wirksam angeprangert werden sie erst seit der MeToo-Debatte. Dass diese auch die Oper als tendenziell konservatives Feld erreichen würde, war nur eine Frage der Zeit.

Am Dienstag ließ die Nachrichtenagentur AP die Bombe platzen, weltweit griffen Medien das Thema innerhalb von Stunden auf: Opernstar Plácido Domingo wird von insgesamt neun Frauen, darunter acht Sängerinnen und eine Tänzerin, beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Die Taten sollen sich in den Achtziger- und Neunzigerjahren abgespielt haben. Ein weiteres halbes Dutzend Frauen berichtet von unangemessenen Verhaltensweisen Domingos; nachzulesen ist dies im deutschsprachigen Raum zum Beispiel bei n-tv. Ebenfalls bei n-tv erfahren wir von den prompten Reaktionen in der Opernwelt: Die Oper von Los Angeles, deren Generaldirektor Domingo ist, leitete unabhängige Untersuchungen ein; mehrere Häuser sagten anstehende Konzerte mit dem Sänger ab.

Abgesehen von dem Skandal um Domingo bieten die Medien in Hinblick auf die Theaterwelt in dieser Woche vor allem zweierlei: Einblicke und Ausblicke. Die neue Spielzeit steht in den Startlöchern, ein zukunftsgerichteter Bericht folgt dem nächsten. Lesenswert ist ein Artikel der Süddeutschen Zeitung über die Vorbereitung der Passionsfestspiele in Oberammergau, wo mittels eines Bürgerbegehrens versucht wird, den Umbau der Bühne zu verhindern, hierzu auch ein ganz aktueller Artikel des Merkur.

Ein Interview mit Intendantin Stefanie Carp als Vorgeschmack auf die Ruhrtriennale, die nächste Woche ihre Pforten öffnet, lesen wir im General-Anzeiger Bonn.

Durchaus interessant ist auch eine Umfrage "Wozu das Theater?" des mdr Kultur an mitteldeutschen Theatern, oder besser gesagt, unter deren Intendantinnen und Intendanten; einen kleinen Ausblick liefert uns die Pressemitteilung, die umfangreichen Ergebnisse werden in der kommenden Woche durch den mdr veröffentlicht.

Menschen

Der US-amerikanische Schauspieler Peter Fonda, bekannt durch den Film „Easy Rider“, ist am Freitag an den Folgen von Lungenkrebs verstorben. Ein Bericht und Nachruf findet sich in der taz.

Liu Yifei, Hauptdarstellerin des neuen Disney-Remakes des Zeichentrickfilms Mulan, hat durch eine öffentliche Solidarisierung mit der Polizei von Hongkong bei ihrem Vorgehen gegen Demonstranten den Zorn der Internetgemeinde auf sich gezogen. Unter einem Hashtag wird nun zum Boykott des Mulan-Films auf, welcher 2020 erscheinen soll. Spiegel Online berichtet.

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