Wochenrückblick #48

Teuerungsraten

03.12.2018

Thomaner-Chorknaben im Jahr 1953

Inflation ist - kurz gesagt - wenn man für das gleiche Geld weniger bekommt. Oder wenn man für die gleichen Waren mehr zahlen muss. Inflation im Theater ist - so ein alter Verwaltungsdirektor*innen-Witz - , wenn man mit dem selben Budget und weniger Mitarbeiter*innen mehr Premieren raus bringt. Diesmal schaut der Wochenrückblick auf mehr Gage und höhere Baukosten...

Der Wochenrückblick diese Woche straft den alten Witz Lügen, denn:

Das Theater Ulm erhöht die Mindestgage für die künstlerischen Mitarbeiter*innen um 200€ auf 2.200€ brutto. Der Stadtrat Ulm hat dafür bei seinen Haushaltsberatungen eine Erhöhung der Förderung des Theaters um 65.000€ pro Jahr ab 2019 beschlossen. „Überraschend“ sei der Beschluss gewesen, schreibt die Südwestpresse. Das finden wir nicht: "Überfällig" wäre uns als Wort eher eingefallen!

Mehr Geld bekommt auch das Theater Hagen: Von 2018 bis Ende 2020 wird der Zuschuss der Stadt um ca. 2,4 Millionen Euro angehoben, wobei 830.000 Euro aus einem Landesförderprogramm wieder an die Stadt Hagen zurückfließen. Mit der auf drei Jahre beschlossenen Erhöhung soll es mehr Planungssicherheit für das Theater geben. Mehr Infos in der Westfalenpost.

In Coburg hat die Vorstellung verschiedener Varianten einer Generalsanierung des Landestheaters den Stadtrat verschreckt: Die ersten Schätzungen aus 2013 hatten Kosten von 60 Millionen ausgewiesen. Nun wurde klar, dass eine Sanierung unter 90 Millionen gar nicht, und unter 100 Millionen nicht zukunftsfähig für das Theater zu haben sein wird. Der Leiter des Bauamts Bamberg Jürgen König, der für die Planung zuständig ist, gibt an: rechne man die Teuerungsrate von 2013 bis jetzt in das Baubuget ein, komme man in eine Größenordnung von 85 bis 90 Millionen. Die Neue Presse weiß mehr über die verschiedenen Varianten.

Folgendes hat eher mit einer Inflation der Klagewilligkeit aller Betroffenen zu tun: Auch der BGH (Bundesgerichtshof) hat dem geschassten Rostocker Intendanten Sewan Latchinian Recht gegeben, indem es die Nichtzulassungsbeschwerde des Volkstheaters und der Hansestadt Rostock abwies. Zuvor hatte bereits das Oberlandesgericht die Unwirksamkeit der Kündigung von Latchinian in 2016 durch die Stadt Rostock bestätigt. Details bei nachtkritik.

Menschen
Der ehemalige Intendant des Theaters Rudolstadt Otto Mahrholz ist verstorben. Mahrholz leitete das Haus zwischen 1970 und 1983, in seine Intendanz fielen die politischen Theaterfeste „Spektakel“ (1977) und „Spektrum“ (1978). Das Theater Rudolstadt informierte per Presseaussendung.

Und zum Schluss? Ob man von einer Inflation der Ausbildung sprechen kann, wenn man für "eine praxisorientierte Ausbildung zum Berufschorsänger bzw. zur -chorsängerin" ein abgeschlossenes Studium Gesang braucht, muss jede*r selbst entscheiden. Mit Bewerbungsfrist zum 31.12.18 bietet das Theater Basel jedenfalls eine solche an. Mehr Infos auf der Theater-Webseite.

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