Wochenrückblick #47

Theaterruinen

26.11.2018

Kolossale Ruine! (c) David Illif

Die deutsche Theaterlandschaft mag Weltkulturerbe sein, mit dem Kolosseum in Rom teilt sie nicht nur diese Auszeichnung, sondern auch die ruinenartige Substanz. In Niedersachsen kehrt für die kommunalen Theater eine vorläufige finanzielle Ruhe ein. Besorgniserregendes aus Österreich: Nicht nur geht es dem Theater Linz an den Kragen, eine Studie macht außerdem nur wenig Mut, was das Einkunftsniveau von Künstlern angeht.

Rostock, Trier, Zwickau, Osnabrück, diese Städte eint diese Woche ihr marodes Theater. Die Stadt Rostock hatte schon vor einiger Zeit die wahnwitzige Idee, für bloß 50 Millionen Euro ein komplett neues 4-Spartenhaus an den Hafen zu stellen. Nun ist den Stadtoberen aufgefallen, dass für dieses Geld kaum eine Bespielbude zu bekommen ist und ein Theaterneubau eher mit 110 Millionen ausgepreist werden müsste. „Bürgerbegehren!“ schrie da die CDU, die so viel Geld nicht für das Theater ausgeben wollte. Dieses Ansinnen ist aber nun vom Tisch, jetzt muss nur noch ein Standort gesucht werden – was ja erfahrungsgemäß ein Kinderspiel ist. Der NDR berichtet.

In Trier hingegen versucht man vorbildlich die Ödnis um das Theater gleich bei einer Theatersanierung mitzudenken. Über das Bürgerbeteiligungsprojekt berichtet der Volksfreund.

Dem Theater Plauen-Zwickau gehen zum Jahreswechsel beinahe die Spielstätten aus. Sanierungsverzögerung, Fehlplanungen und Zuständigkeitsgerangel bilden ein unangenehmes Konglomerat, durch das nur mehr eine Spielstätte übrig bleibt. Die Freie Presse weiß Genaueres.

Auf 80 Millionen Euro wird eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Theaterbaus in Osnabrück geschätzt. Bleibt abzuwarten, was sich zwischen dieser ersten Kostenschätzung und einem Sanierungsbeginn noch so alles abspielen wird... Osnabrück live meldet.
 
Immerhin ein bisschen Verschnaufpause haben sich die kommunalen Theater in Niedersachsen erkämpft. Die ursprünglich im Haushalt eingestellten 6 Millionen Euro Förderung können sie zwar nicht abrufen, wenigstens 3 Millionen wurden jetzt aber als Sondermittel gesprochen. Zum Leben zu wenig zum Sterben zu viel, meint auch die Landeszeitung.
 
Hurra! Die Mitarbeiter des Theaters Vorpommern bekommen mehr Gehalt. Der neue Haustarifvertrag sichert rückwirkend zum 1. August höhere Bezüge zu und ist ein erster Schritt hin zu einer tarifgerechten Vergütung im Nord-Osten. Höhere Zuwendungen durch Land und Kommunen haben diesen längst überfälligen Schritt ermöglicht. Meldung im NDR
 
Der Blick nach Österreich ist kein schöner in dieser Woche – aber den Realitäten stellen muss man sich wohl. In Linz gibt es ein bühnenreifes Hickhack um die gemeinsame Theaterfinanzierung durch Stadt und Land. Die Stadt hat angekündigt sich aus dieser vollständig hinauszuziehen. Daher hat das Theater eine Petition gestartet: Linz liebt sein Theater!
Wer die hässlichen Hintergründe lesen mag, kann das bei den OÖ Nachrichten tun. 
Und eine Studie des österreichischen Bundeskanzleramts offenbart, dass rund 37% der Kunstschaffenden in Österreich von einem Gesamteinkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle leben, eine Zusammenfassung findet sich unter kulturmanagement.net

 
Ein bisschen Glamour wenigstens zum Schluss: Ilona Schmiel, Intendantin des Tonhalle Orchesters Zürich, wird mit dem Junge Ohren Preis in der Kategorie CHARAKTER ausgezeichnet. Die Wettbewerbsjury würdigt damit Schmiels Engagement für die strukturelle Verankerung von Musikvermittlung im professionellen Konzertbetrieb. Zur Preisverleihung: hier lang.

Organisationen

Alle News