Wochenrückblick #40/19

Sabbaticals und aufhören, wenn es am schönsten ist

05.10.2019

Theater Baden-Baden, Foto: Gerd Eichmann [CC BY-SA 3.0]

Theater Baden-Baden, Foto: Gerd Eichmann [CC BY-SA 3.0]

Das Theater verändert sich, langsam aber sicher: Doppelspitzen, Sabbaticals von Leiterinnen, und dann geht gar eine, "wenn es am schönsten ist" - auch, um andere Perspektiven zu ermöglichen. Da tut sich doch was im feudalen System! Oder?

Brigitte Dethier verlängert ihren Vertrag am Jungen Ensemble Stuttgart (JES) nicht. Sie wolle "aufhören, wenn es am schönsten ist". Zwei Spielzeiten lang wird die 60-jährige das Kinder- und Jugendtheater noch leiten. Dann will sie nach insgesamt 33-jähriger Leitungstätigkeit als freie Regisseurin arbeiten und unterrichten. Das JES hat sie vor 18 Jahren mitbegründet und leitet es seitdem. Nicht nur für das Haus, das sie überregional bekannt gemacht hat, dürfte ihr Weggang ein Verlust sein. Mehr dazu in der Stuttgarter Zeitung.

Am Theater Baden-Baden hingegen verlängert die Intendantin Nicola May ihren Vertrag ab 2021 bis 2026. In der kommenden Spielzeit jedoch lässt sie sich von ihrer Chefdramaturgin Kekke Schmidt im Rahmen eines Sabbaticals vertreten. Sie wolle sich in diesem Jahr in der (Theater-)welt umsehen, um "auch künftig neue Akzente setzen" zu können, heißt es auf der Homepage des Theaters. Nicola May leitet das Haus seit 2004.

Das Landesbüro Freie Darstellende Künste NRW gibt seine neue Geschäftsführung bekannt: Ulrike Seybold, die langjährige Geschäftsführerin des Landesverbands Freie Theater Niedersachsen, wechselt nach Dortmund. Seybold ist seit Oktober 2015 überdies im Vorstand des Bundesverbands Freie Darstellende Künste. Sie habe "inhaltliche Akzente (…) in der Beschäftigung mit Jury- und Gremienarbeit, der Entwicklung von neuen Kommunikationsformaten, der Frage wie die Freien Darstellenden Künste auf demographische Entwicklungen reagieren können und nicht zuletzt mit diversitätsorientierten Formaten in der Kulturarbeit gesetzt", so der Verband in NRW.

Das Theater Vorpommern in Stralsund und Greifswald hat jetzt eine Doppelspitze: Peter van Slooten leitet als Kaufmännischer Geschäftsführer von nun an mit dem bisherigen Intendanten und Geschäftsführer Dirk Löschner gemeinsam das Theater. Mehr weiß die SZ.


Karriere
Jetse Batelaan wird 2020 mit dem Preis des Internationalen Theaterinstituts (ITI) ausgezeichnet. Seit 1985 ist das die zweite Ehrung im Bereich Kinder- und Jugendtheater, wobei Batelaans Regiearbeiten oftmals genresprengend sind. Teil des Preises ist erstmalig eine Einladung zum Festival "Theater der Welt". Mehr zur Person auf der Seite des ITI.

Die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann erhält die Carl-Zuckmayer Medaille 2020 "für ihre Verdienste um die deutsche Sprache und das künstlerische Wort", wie die rheinland-pfälzische Staatskanzlei in Mainz laut Saarbrücker Zeitung mitteilt.

Linn Reusse, Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin, wird mit dem Daphne-Preis 2019 geehrt. Die Berliner Theatergemeinde will mit dem Publikumspreis seit 1976 Aufmerksamkeit auf "herausragende junge Darsteller*innen der Berliner Kulturszene" lenken. Mehr beim RBB.

Der Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann bekommt für seine Verdienste um das Land Berlin zusammen mit 12 weiteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens einen Landesorden, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

 

Menschen
Hans Thoenies, der ehemalige Intendant des Scharoun Theaters, ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Das Theater Wolfsburg trauert um einen "Häuptling, der Theater machte, liebte und lebte."


Und zum Schluss
Die Frage, wie sich Kulturschaffende gegen rechts positionieren können, wird uns sicherlich noch länger erhalten bleiben. Die SZ hat sich am Theater Rudolstadt in Thüringen umgesehen, wo die AfD fast 30 Prozent geholt hat.

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