Wochenrückblick #25/19

Keine Ruhe vor dem Sturm

22.06.2019

Giebel des Lübecker Theaters, Foto: 
Fred Romero [CC BY 2.0]

Giebel des Lübecker Theaters, Foto: 
Fred Romero [CC BY 2.0]

Der Sommer schreitet immer weiter fort und man könnte meinen, dass das Theaterjahr eher dahin plätschert, um dann gegen Herbst wieder mehr Fahrt aufzunehmen. Ist aber nicht so. Denn ruhig war in dieser Woche nicht viel. Vielmehr war sie geprägt von Auseinandersetzungen - gerade auch, was unangenehmere Themen betrifft.

Beginnen wir in Lübeck. Denn dort hat Christian Schwandt, der Direktor des Theaters Lübeck, seine Kündigung für die nächste Spielzeit eingereicht und damit eine generelle Debatte über den Stellenwert von Kultur in Schleswig-Holstein ausgelöst. Grund für seine Kündigung war die mangelnde finanzielle Unterstützung von Seiten des Landes.

Das Problem des Theaters besteht laut Schwandt hauptsächlich in der zu geringen Dynamisierung der Zuschüsse vom Land, die momentan jährlich auf eine Steigerung von 1,5 Prozent festgesetzt sind. Durch die Einführung des Mindestlohns habe das Theater aber im Jahr 4 Prozent Mehrkosten, die so nicht gedeckt werden können. Also muss an anderen Stellen gespart werden, wodurch wiederum die Stimmung innerhalb des Ensembles leidet. Unter den momentanen Umständen könne das Theater beispielsweise aufwendigere Opernproduktionen nicht mehr stemmen, so Schwandt. Das Theater drohe in eine Viertklassigkeit abzurutschen.

Außerdem hatte das Theater im vergangenem Jahr zwar mehr Zuschauer als in den Vorjahren, aber dennoch nicht mehr Eigeneinnahmen, was damit zusammen hängt, dass sich die Zuschauerzahlen hauptsächlich im Bereich des jungen Publikums steigerten. Das ist ja generell erstmal etwas Gutes, allerdings zahlen diese ja ermäßigten Eintritt, wodurch die nicht vorhandene Steigerung der Einnahmen zu erklären ist. Mehr Infos dazu gibt es sowohl bei den Lübecker Nachrichten als auch bei den Kieler Nachrichten.

Diskutiert wird auch in Bonn. Dem Theater Bonn wird nämlich der zu häufige Einsatz von Leiharbeitern vorgeworfen, so die Feststellung des Rechnungsprüfungsamts. Leiharbeiter wurden demnach über mehrere Jahre hinweg wie feste Angestellte beschäftigt, eine angemessene Bezahlung fand dabei allerdings nicht statt. Außerdem wurden Verträge mit der betroffenen Leiharbeitsfirma nicht korrekt abgeschlossen. Und das Ausmaß dieses Umstands, so die Rechnungsprüfer, steigere sich von Spielzeit zu Spielzeit.

Von Seiten der Grünen im Bonner Stadtrat heißt es nun, dass Leiharbeiter in städtischen Betrieben und somit auch am Theater, nur sehr gering eingesetzt werden sollten.

Die Linke steht dem Einsatz von Leiharbeitern ebenfalls kritisch gegenüber, sieht das Problem jedoch nicht allein beim Theater, sondern auch in der Kürzung der Mittel für die Theater. Die Theater müssten auf Leiharbeiter zurückgreifen, um den Betrieb weiterhin aufrecht erhalten zu können. Die Linksfraktion möchte sich dafür einsetzen, dass das Theater mehr Mitarbeiter einstellen kann. Mehr dazu in den WDR-Nachrichten.

An der Wiener Staatsoper haben der designierte Direktor Bogdan Roscic und Musikdirektor Philippe Jordan ein Ausbildungsprogramm für junge Sänger*innen beschlossen. Das Programm, das zur Spielzeit 2020/21 starten soll, ist für Nachwuchssänger gedacht, die bereits über ein abgeschlossenes Gesangsstudium verfügen und ihre Fähigkeiten in einer zweijährigen Ausbildung vertiefen wollen. Mehr dazu wissen die Salzburger Nachrichten.

 

Menschen und Preise

Der neue Intendant des Konzert Theater Bern steht fest: Florian Scholz, der bislang noch das Stadttheater Klagenfurt leitet, wird bereits zur nächsten Spielzeit als designierter Intendant beginnen und ab 2021/22 die künstlerische Gesamtverantwortung für das Theater übernehmen. Leiter der Schauspielsparte wird dann Roger Vontobel. Ausführlicheres bei der Neuen Zürcher Zeitung.

Dirigent und Klarinettist Karl-Heinz Steffens wurde diese Woche das Bundesverdienstkreuz verliehen. Steffens erhielt die Auszeichnung als Anerkennung für seine künstlerischen Leistungen. Er leitet u.a. den Friedberger Kultursommer und war bis 2018 als Chefdirigent der Landesphilharmonie Rheinland-Pfalz tätig. Mehr dazu weiß SWR2.

Felix Krakau von der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt hat mit seiner Inszenierung ,,Peer Gynt'' den Preis des 16. Körber Studio Junge Regie gewonnen. Der Publikumspreis ging an Milena Mönch von der Universität Mozarteum Salzburg für "Drei Schwestern". Weitere Infos direkt beim Körber Studio.

Den 12. Start Off Wettbewerb für Nachwuchs-Regie hat Alicia Geugelin gewonnen, mit ihrem Konzept "Die Gerechten". 2020 wird die Umsetzung des Konzepts am Hamburger Lichthof Theater Premiere haben. Geugelin erhält mit dem Preis 20.000 Euro, die in die Umsetzung des Regie-Konzepts investiert werden. Mehr darüber weiß Nachtkritik.

Der Burgschauspieler und Synchronsprecher Peter Matic verstarb diese Woche im Alter von 82 Jahren. Matic war 25 Jahre lang Ensemble-Mitglied des Burgtheaters. Zuvor arbeitete er u.a. an den Münchner Kammerspielen und am Berliner Schillertheater, wo er ebenfalls über 20 Jahre lang tätig war. Weiteres dazu beim ORF.

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