Wochenrückblick #35

Politik, Preise, Premieren

31.08.2018

Theater Basel

Wo steht Erdogan? Wer erfindet den ECHO-Nachfolger? Wie heißt das Theater des Jahres? Was ist der ungewöhnlichste Grund Premieren zu verschieben? Wieso wird das Theater Paderborn von der AfD angezeigt? Weshalb wechselt Stage den Besitzer? Warum schallt überall „Tonight?“ Diese Fragen beantwortet nicht die Sesamstrasse, sondern der Wochenrückblick – es gilt: Wer nicht fragt bleibt dumm!

Wo?
Erdogan, eigentlich ein vier Meter hohes, goldfarbenes Abbild von ihm, steht nicht mehr in Wiesbaden. Aber er stand kurz dort, im Rahmen der vom Staatstheater Wiesbaden verantworteten Wiesbaden Biennale. Zu große Aufmerksamkeit zog er auf sich und wurde nach nur wenigen Tagen wieder abgebaut. Gegner und Befürworter des türkischen Präsidenten hatten sich wohl an der Installation heftige Wortgefechte geliefert, der Ordnungsdezernent der Stadt berichtete von Handgreiflichkeiten zwischen den Parteien. Bad News ist das Motto der diesjährigen Biennale (kuratiert von Martin Hammer und Maria M. Ludewig) und Staatstheaterintendant Uwe Eric Laufenberg verteidigte die Aktion: Die Kunst ist dazu da, zu zeigen, wie es ist.
Hintergründe in Der Zeit
Kritisch sieht den Abbau der Deutschlandfunk
 
Wer?
Der ECHO Klassik war einmal ein Preis, den sich Ausgezeichnete gerne auf ihre CD-Cover druckten, bis Kollegah und Farid Bang den nah verwandten ECHO Anfang des Jahres in Verruf brachten (wir berichteten). Nun hat die klassische Musikbranche rasch eine Alternative aus dem Ärmel gezaubert und sich vom Branchenverband BVMI unabhängig gemacht. Der OPUS Klassik wird am 14. Oktober erstmals verliehen, standesgmäß bei einer vom ZDF übertragenen Gala. Der veranstaltende Verein wird von Major Labels wie Deutsche Grammophon und Sony Classic, dem Independent Verband CLASS sowie großen national tätigen Konzertveranstaltern und Verlagen getragen.
Die NMZ berichtet
 
Wie?

Theater des Jahres ist das Theater Basel. So krönt Intendant Andreas Beck seine Zeit in der Schweiz, bevor er im kommenden Jahr nach München wechselt. Zitieren lässt er sich mit:

„Ich freue mich für uns alle am Theater Basel ganz irre. Und für unser Publikum [...]. Und an die Politik ist es in diesen Zeiten das perfekte Signal: Theater kann über die eigene Stadt hinaus strahlen, wenn es denn strahlen darf; will heissen: zum Strahlen braucht es Talente und eine mehr als solide, weiter denkende Finanzierung. Und Auszeichnungen wie diese sollten das doch jetzt garantieren, oder? In diesem Sinne: Juchhu.“

Ärgernis des Jahres sind im Übrigen die Querelen um die Volksbühne Berlin. Alle weiteren Ergebnisse sind hier nachzulesen

 
Was?
Der nicht von Theater heute verliehene Preis für den schönsten – und ungewöhnlichsten – Grund gleich zwei Premieren in nur einem Monat umplanen zu müssen, kommt ebenfalls aus Basel. Hier müssen im Februar 2019 gleich zwei Produktionen umbesetzt werden, weil beide Spielleiterinnen Mutterfreuden erwarten. Herzliche Gratulationen an Julia Hölscher und Maria-Magdalena Kwaschik!
 
Wieso?
Das Theater Paderborn wurde vom Kreisverband der AfD angezeigt, da sich die Partei durch eine Grafik im Spielzeitheft verunglimpft sieht. In der Ankündigung für Max Frisch’s Andorra findet sich u.a. das Hakenkreuz neben dem Logo der AfD.
Berichtet hat das die Neue Westfälische Zeitung.

Weshalb...
... das Hamburger Musical Imperium Stage Entertainment verkauft wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Auch über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Gesichert ist aber, dass es sich bei dem neuen Eigentümer um das US-Medienunternehmen Advance Publications Inc. handelt. Die Welt meldet
 
Warum?
Wird die West Side Story und Candide landauf landab gespielt? Weil Leonard Bernstein 100 Jahre alt geworden wäre. Herzlichen Glückwunsch!
 
Personen
Der langjährige Direktor der Vereinigten Bühnen Wien, Franz Häußler verstarb 81 jährig. Von 1969 bis 2008 war Franz Häußler Direktor der Theater der Vereinigten Bühnen Wien. Zum Ende seiner Dienstzeit begleitete er noch die mit dem Mozartjahr einsetzende Neustrukturierung der VBW samt Rückführung des Theaters an der Wien in ein Opernhaus. Der ORF hat einen Nachruf
 

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