Wochenrückblick #50

Von Sanierungen und Häuslebauern

17.12.2018

Aus: Was willst Du werden? Um 1880

In dieser Woche kümmern wir uns im Wochenrückblick um Sanierungen und Neubauten - und wieder einmal um Geld und Kündigungen. Und um 500 Nackte.

Das Stadttheater-System – eine kulturelle Besonderheit Deutschlands, die ihren Ursprung in dem Flickenteppich von Kleinstreichen und -fürstentümern findet – hat viel damit zu tun, dass das Stadttheater ein Haus ist, das in der Mitte der Stadt steht. Das macht das System erstaunlich widerständig gegen Spar- und Schließungsversuche. Denn das Haus bleibt da in der Mitte der Stadt nun mal stehen (es macht das System auch widerständig gegen viele Modernisierungsversuche, sowohl was Hierarchien als auch Ästhetiken angeht, das aber soll hier nicht Thema sein).
So ein Haus aber macht auch viel Arbeit, was jeder Eigenheimbesitzer bestätigen wird: Mal tropft es durchs Dach, mal fliegt der Heizungskessel in die Luft, dann wieder spinnt die Elektrik. Deshalb ist in unseren Wochenrückblicken fast immer auch von neuen Sanierungsmaßnahmen und Bauüberlegungen die Rede. So auch heute.
 
In Altenburg wird das Theater ab Sommer 2019 für geplante 11 Millionen Euro saniert. Währenddessen spielt das Theater im Zelt, das einen Durchmesser von 42 Metern und eine Höhe von 16 Metern haben wird. Mehr Infos hat die Ostthüringer Zeitung.

In Mannheim wird gleich ganz neu gebaut. Der Hauptausschuss des Gemeinderats hat EINSTIMMIG die rund 250 Millionen Euro teure Sanierung des Mannheimer Nationaltheaters empfohlen. Die Kosten teilen sich die Stadt auf der einen und Bund und Land auf der andern Seite 50/50. Hier der Bericht.

In Frankfurt am Main wird noch gezögert: Zum einen weiß niemand, wer die dringend nötige Sanierung des Naxos Theaters zahlen soll. Der freien Spielstätte droht wegen Brandschutz-Mängeln das Aus. Aber der Liegenschaftsdezernent besteht auf einem Eigenanteil der Bühne an den nötigen 5 Millionen. Hier der Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Zum anderen wird überlegt, die Städtischen Bühnen neu zu bauen. Eine Stiftung hat die Idee eines Neubaus der Oper angeschoben. Nun prüft die städtische Stabsstelle Bühnen, ob es ein Neubau sein muss, oder ob eine Sanierung des Gebäudes von 1963 nicht doch möglich wäre. Währenddessen ist schon der Streit entbrannt, ob der Neubau mit einem internationalen Architektenwettbewerb ausgeschrieben oder besser außerhalb des öffentlichen Vergaberechts geplant und durchgeführt werden sollte. Auch hierzu weitere Informationen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Im letzten Wochenrückblick haben wir uns deutliche Sorgen um das Theater Linz gemacht, als der Linzer Gemeinderat den Ausstieg aus dem Theatervertrag mit dem Land Oberösterreich beschlossen hatte. Nun berichtet nachtkritik.de, dass Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) die Zusage gemacht habe, dass das Land die fehlenden Subventionen der Stadt kompensieren werde. Damit sei eine Finanzierung zumindest für die Saison 2019/20 gesichert.

Menschen und Karrieren
Nicht an Architektur und Gemäuer hat sich der Streit zwischen Ensemble und Intendanz am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin entzündet, sondern an Spielplangestaltung, Personalentscheidungen und fehlender Kommunikation. Nun befasst sich der Landtag auf Antrag der Linksfraktion mit dem Zerwürfnis zwischen Ensemble und dem Generalintendanten und Geschäftsführer Lars Tietje -  denn das Land ist Mehrheitseigner des Theaters. Die Schweriner Volkszeitung hat Details.

In Wuppertal hat das Arbeitsgericht die Kündigung von Adolphe Binder für unwirksam erklärt. Das Tanztheater habe während der Verhandlung nach Auffassung des Gerichtes juristisch nicht plausibel darstellen können, warum die fristlose Kündigung erfolgt war, so die Wuppertaler Rundschau. Den Streitwert von 69.000€ zahlt nun das Tanztheater.
 
Die ASSITEJ e.V. hat eine neue Vorsitzende: Auf der aktuellen Mitgliederversammlung wurde ein neuer Vorstand für die Jahre 2018 bis 2021 gewählt, dem Brigitte Dethier vom Jungen Ensemble Stuttgart vorsitzt. Der ganze Vorstand hier.

Der Abschluss des Wochenrückblicks gehört heute dem Staatstheater Kassel. Hier wird aktuell ein nacktes Publikum gecastet. Wer am Mittwoch, den 19.12. nackt in einem der Zuschauersitze Platz nehmen will, klickt hier. Es geht um einen Videodreh für eine aktuelle Inszenierung.
 
In diesem Sinne: Eine geruhsame Vorweihnachtszeit!
 

Kaja Jakstat

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