Wochenrückblick #51

Von Zahlen und Menschen

21.12.2018

(c) Michael Sondermann, Stadt Bonn

Was ist höher: die Kulturausgaben der öffentlichen Hand, oder die durchschnittlichen Ausgaben der Bundesbürger für Weihnachtsgeschenke? Was ist besser: Streit im Haus, oder eine Liebesbeziehung zur Stadt? Und wer spart rigoroser: Plauen oder Bonn?

Statistiker*innen sind bedächtige Menschen – und die Finanzierung des Kulturfinanzberichts lag auch eine Weile auf Eis. So erklärt sich, dass das Statistische Bundesamt erst Ende 2018 berichten kann, welche Mittel die öffentliche Hand in Deutschland im Jahr 2015 für Kultur aufgewendet hat: Pro Kopf sind das 127 Euro im Jahr – oder 34 Cent pro Tag... Auch wenn sich die absolute Zahl: 10.400.000.000 Euro recht eindrucksvoll liest, da geht noch was, oder? Der ganze Bericht beim Statistischen Bundesamt.
 
In Bonn, wo Beethoven alle seine Vokale bereits einsparen musste für die große BTHVN2020-Sause, sehen sich die Kulturinstitutionen einer Sparvorgabe von weiteren 3,5 Millionen Euro ab 2023 ausgesetzt. Die Excel-Künstler der Beratungsagentur actori haben mögliche Szenarien in einer Studie ausgearbeitet, die allerdings ein maximales Einsparpotential von 2,4 Millionen sehen (bei Streichung der Schauspielsparte). Vielleicht wäre es wirklich eine gute Idee, diesem müden Zahlenwerk einmal eine echte kulturpolitische Vision entgegenzusetzen? Die Bonner Rundschau berichtet von einer Podiumsdiskussion.
 
Immerhin erhalten Theater und Orchester in Sachsen-Anhalt nach einer langen Durststrecke nun wieder mehr Geld aus der staatlichen Schatulle und so können sich Theater und Orchester wenigstens den Flächentarifverträgen wieder annähern (von unten, versteht sich). Das Land stockt die Grundförderung um fünf Prozent auf und zahlt auch mehr zusätzliches Geld für die steigenden Personalausgaben, wie die Staatskanzlei in Magdeburg mitteilte. Die Volksstimme meldet.
 
Hick und Hack gibt es bei dem neuen Grundlagenvertrag für das Theater Plauen-Zwickau. Gestritten wird dabei weniger um Inhaltliches, als um die Anzahl der Aufsichtsräte und den Anteil der Finanzierung durch die beiden Kommunen. Der Stadtrat in Plauen lehnte die Neufassung des Grundlagenvertrags nun ab. Mit dem Ergebnis, dass - wenn nicht rasch doch noch eine Einigung gefunden wird - ab Januar 2019 (vulgo in 10 Tagen) keine Landesmittel an das Theater mehr fließen werden... Da muss wohl den Stadträt*innen kurzfristig der Weihnachtsurlaub gestrichen werden. Der MDR berichtet.
 
Im Streit zwischen Belegschaft und Intendant im Mecklenburgischen Staatstheater hat der Intendant Lars Tietjen ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Betriebsklimas vorgestellt, das u.a. für die Tänzer*innen der Ballettcompagnie Erleichterungen vorsieht und Chor und Orchester in die Entscheidungen über die Neubesetzung von Chordirektor*in und GMD mit einbeziehen soll. Fraglich, ob das schon die letzte Szene in diesem Trauerspiel sein wird. Die SVZ berichtet.
 
Karrieren
 
Die Performerin Judith Huber und die Regisseurin Lea Ralfs werden ab Januar 2019 die künstlerische Leitung des Pathos Theaters München übernehmen. Die erste gemeinsame Arbeit der beiden wird „Der Schimmelreiter“ sein. Ein recherchebasiertes Familienstück, das sich mit Geschichten lokaler Akteur*innen und Anwohner*innen der Dachauer Straße beschäftigt, soll folgen. Dies und weitere Details sind der Pressemitteilung zu entnehmen.
 
„Mein Verhältnis zu Köln ist eine Art Liebesbeziehung – das bezieht sich vor allem auf die Arbeit, die ich hier in der Stadt machen darf.“ Louwrens Langevoort, bereits seit 13 Jahren Intendant der Kölner Philharmonie, darf sich nun bis zum Jahr 2025 über die Fortdauer dieser Beziehung freuen, wie die Westdeutsche Zeitung berichtet.
 
Die durchschnittlichen Ausgaben für Weihnachtsgeschenke belaufen sich laut Umfragen in diesem Jahr übrigens auf 472 Euro / Kopf: Mithin fast das Vierfache der Kulturausgaben der öffentlichen Hand... In diesem Sinne: geruhsame Festtage!

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