Wochenrückblick #29

Leitungsentscheidungen und ein Offener Brief

29.07.2018

Gustav Kuhn

An Theatern in Bochum, Konstanz, München und Berlin standen wichtige Leitungs-Entscheidungen an, über die wir diese Woche berichten wollen. Außerdem spitzt sich der "Fall Gustav Kuhn" zu, in dem es um Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe geht.

Prinz-Regent-Theater: Neue Leitung, neue Struktur, Bochumer Lösung
Das Prinz-Regent-Theater bekommt eine neue Leitung - und damit zum ersten Mal eine Doppelspitze aus Künstlerischer Leitung und Verwaltungsleitung. Während Hans Dreher den künstlerischen Part übernimmt, wird seine Frau Anne Rockenfeller die Geschäftsführung übernehmen. Dreher gehört seit 2009 zum Leitungsteam des Bochumer Rottstr 5 Theater - Rockenfeller hat 5 Jahre Bochumer Schauspielhaus-Erfahrung als Referentin des Geschäftsführenden Direktors. In der ersten Spielzeit wird Drehers Rottstr 5-Kollege Paolo Thomas mithelfen. Anschließend wird Thomas dann alleiniger Leiter des Rottstr 5 Theaters in Bochum.

Tiroler Festspiele Erl: Noch ein Offener Brief
Seit Anfang des Jahres gibt es immer wieder und immer lauter Vorwürfe gegen den Leiter der Festspiele Erl, Gustav Kuhn. Der Dirigent wird des Machtmissbrauchs und sexueller Übergriffe beschuldigt. Mehrere Gerichtsverfahren sind anhängig, aber Kuhn dirigiert immer noch. Nun wenden sich fünf Musikerinnen und Sängerinnen in einem Offenen Brief direkt an den Präsidenten der Festspiele. Der Brief und eine Chronologie der Ereignisse auf der Facebook-Seite von art but fair.

Karin Becker wird Intendantin in Konstanz
Ab 2020 übernimmt Karin Becker die Nachfolge von Christoph Nix am Theater Konstanz. Becker stammt aus Stuttgart, und ist seit fast 30 Jahren am Theater tätig, zuletzt war sie von 2009-2015 künstlerische Betriebsdirektorin und Stellvertretende Geschäftsführerin am Schauspiel Hannover, seit November 2015 ist sie künstlerische Betriebsdirektorin am Thalia Theater. Karin Becker wird eine nicht-regieführende Intendantin. Am Thalia-Theater hat sie einen Bürgergipfel mitinitiiert, um Hamburger und geflüchtete Neu-Hamburger miteinander ins Gespräch zu bringen. Über ihre Art, Theater zu machen sagte sie neulich in einem Interview:
"Wir müssen uns den aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen stellen und ein Zeichen setzen, denn die Zeiten des nur Zuhörens und Zuschauens sind vorbei. Wir müssen den Mund aufmachen und sagen, was wir denken – laut und deutlich."

Vertragsverlängerung am Volkstheater München: Stückl bleibt bis 24/25
Seit 2002 ist er dort, und so wie es aussieht, wird Christian Stückl sein 20jähriges Intendanten-Jubliäum am Volkstheater feiern können. Münchens Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers verlängerte dessen Vertrag bis 2024/25 und erklärte, Stückl sei "ein Theaterviech" und ein Garant für eine erfolgreiche Zukunft des Hauses. Stückl, der parallel auch die Oberammergauer Passionsfestspiele künstlerisch leitet, wird zukünftig einige Herausforderungen zu meistern haben: So zieht das Volkstheater im Jahr 2021 in eine neue Spielstätte, die im Münchner Schlachthofviertel gebaut wird.

Nicole Lohrisch wird kommissarische Geschäftsführende Direktorin der Volksbühne Berlin
Für die nächsten zwei Spielzeiten gibt es Klarheit an der Volksbühne: Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wird Nicole Lohrisch (40), bisher Verwaltungsleiterin an der Volksbühne Berlin, kommissarisch die Position der Geschäftsführenden Direktorin des Hauses vom amtierenden Geschäftsführenden Direktor Thomas Walter übernehmen, dessen Vertrag im Sommer 2018 endet. Gleichzeitig wurde Klaus Dörr (56) als kommissarischer Intendant der Volksbühne bestätigt. Er hatte bereits im April 2018 kommissarisch die Leitung des Hauses übernommen, nachdem der Vertrag mit dem Intendanten der Volksbühne Chris Dercon im April 2018 aufgelöst worden war.

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